Eine kleine Passage im Bundesverkehrswegeplan, aber auch ein großer Schritt für die Zukunft des Radverkehrs?

Rad_Autobahn

Radschnellwege braucht das Land … (Foto: Christian Linow)

Berlin – Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (kurz: ADFC) gibt sich hinsichtlich des am 3. August vom Kabinett verabschiedeten Bundesverkehrswegeplans nahezu ekstatisch. ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt: „Wir sind ja sonst als Mahner bekannt, aber diese kleine Passage im Bundesverkehrswegeplan ist ein großer Schritt für die Zukunft des Radverkehrs in Deutschland. Wir sind begeistert, dass der Bundesverkehrsminister verstanden hat, dass Premium-Radinfrastruktur, wie wir sie aus den Niederlanden und Flandern schon lange kennen, wirklich massive Stauentlastung bringen kann. Und dass sie zügige, komfortable und nachhaltige Mobilität in dichter werdenden Metropolen überhaupt erst ermöglicht. Toll!“

Und in der Tat stellt das bis 2030 konzipierte verkehrspolitische Rahmenprogramm der Bundesregierung damit ein Novum dar. Bis dato hatte nämlich der Bund Beteiligungen an aufwändiger Radinfrastruktur wie beispielsweise dem aufsehenerregenden Radschnellweg Ruhr (RS1) versagt, obgleich der einer Machbarkeitsstudie zufolge durchaus das Zeug dazu hat, täglich 52.000 Pkw-Fahrten mit über 400.000 Kilometern einzusparen.

Ob mit dem Bundesverkehrswegeplan allerdings wirklich der ganz große Wurf gelungen ist, der die außer im Ruhrgebiet geplanten Radschnellweg-Projekte von Hannover, Frankfurt, Nürnberg und München anschiebt, bleibt abzuwarten. Ein Kilometer Radschnellweg kostet laut ADFC immerhin 1,5 Millionen Euro. Im Gegensatz zur klassischen Straße freilich ein Bruchteil. Ein Kilometer Autobahn kostet rund 10 Millionen Euro, eine Bundesstraße ist für nicht ganz die Hälfte zu haben.

Gleichwohl zeigen die in den letzten Jahren immer wieder vollmundig ausgelobten Versprechungen einzelner Städte, wie schnell dem Traum Ernüchterung folgen kann. Vanessa Rehermann bringt es in der Zeit bei einer Bestandsaufnahme über hanseatische Fahrrad-Phantasien allegorisch auf den Punkt: „Der neue Senat will Hamburg zur Fahrradstadt machen. Den Autoverkehr tasten SPD und Grüne dafür aber nicht an – zur Unzufriedenheit der Fahrrad-Lobby.“

Und selbst die Grünen haben mancherorts ihr einstiges Leitbild längst abgelegt, wie die mal wieder aktuelle Diskussion um eine verkehrsberuhigte Lübecker Altstadt demonstriert. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt sagte der Bürgerschaftsabgeordnete Thorsten Fürter jedenfalls:„Autofrei ist nicht mehr unser Ziel.“

Sicherlich hat der ADFC-Präses Stork Recht, wenn er sagt: „Den finanziellen Kraftakt zum Bau von überregionalen Radschnellwegen können Länder und Kommunen nicht alleine stemmen. Wir brauchen vom Bund jetzt eine Ko-Finanzierung für 300 Kilometer Radschnellwege pro Jahr …“ Aber die Finanzierung ist eben (leider) nur eine Säule von vielen bei der Verwirklichung eines eigentlich dringend benötigten bundesweiten Radschnellwegenetzes. Oder anders – frei nach Goethe: Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! cl

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Ein Gedanke zu “Eine kleine Passage im Bundesverkehrswegeplan, aber auch ein großer Schritt für die Zukunft des Radverkehrs?

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