Alibi-Radfahrstreifen auf dem Grindelberg – ADFC übt heftige Kritik

Hamburg – Seit gestern haben die bis April nächstes Jahr andauernden Sanierungsarbeiten im Bereich der Straße Grindelberg begonnen.

Mit Unterbrechung durch eine dreimonatige Winterpause werden durch den Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) bis April 2017 teilweise Radfahrstreifen auf der Straße markiert, die man in diesem Zusammenhang gleich mit verbreitert. Auf der westlichen Seite des Grindelbergs sowie im östlichen Bereich der Kreuzung Oberstraße / Schlankreye werden die Radwege saniert, ebenso wie in weiten Teilen die Fahrbahn mitsamt der Parkplätze. Vielversprechend lobt der Landesbetrieb in seiner Erklärung, dass die Arbeiten „für eine deutliche Verbesserung der Fuß- und Radwege …“ sorgen werden.

Gleichwohl macht sich Ungemach breit. Gegenüber nahverkehrhamburg.de sagte Dirk Lau, stellvertretender Vorsitzender des ADFC Hamburg: „Von einer geradlinigen, komfortablen und sicheren Radverkehrsführung, wie Sie einer ‚Fahrradstadt‘ gerecht werden würde, ist diese Planung weit entfernt.“ Er kritisiert dem Verkehrsnachrichten-Portal zufolge insbesondere die wechselnde Führung zwischen Radfahrstreifen, Radwegen und Nebenfahrbahn, die zahlreiche Konflikte mit Kfz-Parksuchverkehr und Fußgängern in sich berge.

In der Tat ist die Maßnahme auf den ersten Blick alles andere als gelungen. Der exakte Streckenverlauf, der sich aus der Antwort des Senats auf die Schriftliche Kleine Anfrage des Abgeordneten Dennis Thering (CDU) vom 13.01.16 ergibt, ist wahrhaftig nicht wirklich befriedigend. (Die genaue Trasse können Sie der nachstehenden Visualisierung entnehmen.)

Auf gerade einmal 290 m werden Radfahrstreifen installiert. Beide Seiten der Strecke umfassen jedoch insgesamt knapp 1,4 km zwischen der Hallerstraße und der Isestraße. Der Rest besteht folglich aus einer Mischung von Radwegen neben Gehwegen und den immer mal wieder unterbrechenden Parallelfahrbahnen. Hier lässt sich bereits noch schlimmeres Übel ausmachen, wenn man einem Bericht des „Elbe Wochenblatt“ Glauben schenkt. Dort spricht man bei den unmittelbar neben der eigentlichen Magistrale angelegten Straßen von einer „Radspur entlang der Parkstreifen“ – ergo einem Radfahrstreifen direkt in der so genannten Door zone. Wie sagte der Stuttgarter Radaktivist und Mitinitiator der dortigen Critical Mass einmal so schön: „Das ist auch der volle Alibi-Radweg, weil der hier halt direkt in der Dooring-Zone ist. Und wenn da die Tür beim Auto aufgeht, hab ich sie direkt in der Fresse.“ Recht hat der ADFC: Fahrradstadt geht definitiv anders! cl

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Ein Gedanke zu “Alibi-Radfahrstreifen auf dem Grindelberg – ADFC übt heftige Kritik

  1. Das sieht mir sehr nach der bekannten „Anschluss an Bestand“-Problematik aus.

    Schönes Beispiel aus Frankfurt/M: Der vor einigen Jahren im Zuge einer Fahrbahnummarkierung angelegte Schutzstreifen auf der Rothschildallee. Vom Radfahrbüro wie ADFC unisono bejubelt, schickt er die Radfahrer für einige 100m auf die Fahrbahn, während sie davor und dahinter kraft Benutzungspflicht auf einen engen, nur mit weißem Streifen vom Gehweg abgetrennten holprigen Hochbordradweg gezwungen werden, der von Konflikten mit Fußgängern über öffnende Türen von Längsparkern bis zur leidigen Rechtsabbiegerproblematik alle Schwächen dieser Verkehrsführung aufweist.
    Es fehlt in der Verkehrsplanung das Bewusstsein für den Radverkehr als Gesamtsystem. Nicht eine isolierte, punktuelle Verbesserung, sondern eine durchgängig sichere und intuitiv benutzbare Radverkehrsführung motiviert die Menschen zur Fahrradnutzung. Mit diesem Flickwerk züchtet man sich nur Fehlverhalten wie Gehweg- und Geisterradeln heran.

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