Rechts vorbei ist voll daneben? Zusätzlicher Rechtsabbieger am Märkerweg

Hamburg – Der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) beginnt mit Umbaumaßnahmen an der Keuzung Swebenweg / Märkerweg / Wilzenweg. Die unfallträchtige Kreuzung wird um eine zusätzliche Rechtsabbiegespur in Richtung Flughafen ergänzt. In der Vergangenheit war bereits eine Linksabbiegerampel installiert worden, wodurch die Unfallursache zwar behoben werden konnte, indes verlängerte Rotphasen auf dem Swebenweg die Folge waren. Die jetzt angestoßene Aufweitung des Märkerwegs zwischen Germanenweg und Swebenweg soll den Verkehr im Anschluss wieder besser fließen lassen. Gleichzeitig erhalten die Nebenflächen im Kreuzungsbereich ein taktiles Pflaster, das seheingeschränkten Menschen zur besseren Orientierung dient.

Die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation erklärt, dass für die aus der Verbreiterung der Straße notwendige Verlagerung der Nebenflächen ein Teil der Böschung an der Lärmschutzwand entfernt werden müsse. Damit bleibe der Platz für Fußgänger und Radfahrer erhalten.

Erhalten meint aber auch, dass es zu keiner qualitativen Veränderung für den Radverkehr im Märkerweg kommt, sondern prinzipiell alles beim Alten bleibt. Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, wie sie der ADFC generell immer wieder fordert, werden wohl nicht berücksichtigt.

Dabei hatte der ADFC Hamburg schon vor über fünf Jahren für Radfahr- und Schutzstreifen im Märkerweg gekämpft. Im Planfeststellungsbeschluss zu dem Umbau der Kreuzung vom 3. März 2011 heißt es hierzu wörtlich:

Es kann nicht Ziel sein, Radfahrer benutzungspflichtig zu führen. Das ist „altes Den-ken“ und sollte nicht mehr Grundlage einer Planung sein. Radfahrer fahren in der Regel auf der Fahrbahn sicherer. Insbesondere gilt das für Kreuzungen.

Die auf der Westseite des Märkerweg etwas außerhalb des Planungsgebiets notierte Sanierung des nicht benutzungspflichtigen Radwegs muss deshalb unterbleiben. Sie liefe den Bemühungen der BSU zur Radverkehrsförderung entgegen. Wenn etwas für den Radverkehr hier getan werden soll, kann das in Form von Radfahrstreifen erfolgen.

An einer anderer Stelle der Unterlage schlägt der Verband variantenweise vor:

Der Radverkehr sollte ab Germanenweg auf einem Radfahrstreifen bis zum Knoten geführt werden. Für Radfahrer nach Osten sollte eine Abbiegemöglichkeit auch bei roter Ampel gegeben sein. Für Radfahrer in Richtung Wilzenweg und in Richtung Swebenweg (West) sollte bereits weit am Beginn der Aufweitung der Fahrstreifen im Märkerweg eine Radspur am rechten Rand des entsprechenden Fahrstreifens markiert werden. So wird sowohl dem Radfahrer als auch dem Autofahrer frühzeitig verdeutlicht, wo Radfahrer sich einordnen sollten. Diese Klarheit schafft Sicherheit.

An dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändert. Dirk Lau, stellvertretender Vorsitzender des ADFC in Hamburg, sagt gegenüber shaRAD Space:

Der ADFC kritisiert die Baumaßnahmen, da die Belange der Autofahrer einseitig berücksichtigt werden. Der Gewinn einiger Sekunden mehr Grünphase auf einer mehrspurigen Straße ist nicht mit den Nachteilen für Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer zu rechtfertigen. Die entstehenden Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen aller Verkehrsteilnehmer. Zumal unter dem Gesichtspunkt, dass eine vorherige Verkürzung der Grünphase für den Kfz-Verkehr allein der Gefährdung durch Kfz geschuldet war.

Im Namen seines Verbandes fordert Lau nicht nur alternative, sondern auch weitreichende Maßnahmen. Neben Radfahrstreifen, die für sichere und komfortable Radverkehrsbedingungen sorgen, müsse über Tempo 30 zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und Verbesserung der Luft- und Lärmsituation nachgedacht werden.

Seine Bilanz fällt ernüchternd aus: „Unterm Strich lässt sich an dieser Stelle nicht erkennen, wie der Senat Hamburg fahrradfreundlicher machen will, die Stadt gar zur ‚Fahrradstadt‘ ausbauen will. Hamburg braucht aber eine Verkehrspolitik, bei der Fußgänger, Radfahrer und der öffentliche Nahver­kehr Priorität genießen vor dem Autoverkehr, sowohl bei den Inves­tionen für Infrastruktur als auch bei der Verteilung des Platzes.“ cl

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