Die Warschauer Straße – fahrradfreundlich? Auf jeden Fall voller Überraschungen

Feierlich eröffnen Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (links) und Bezirksstadtrat Hans Panhoff (rechts) die grundlegend umgestaltete Warschauer Straße. Foto: Tom Gerlich

Berlin – Um 13.00 Uhr eröffneten Bezirksstadtrat Hans Panhoff und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel die umfangreich sanierte Warschauer Straße. Insgesamt 4,3 Mio. wurden für den Umbau zwischen Warschauer Brücke und Frankfurter Tor aus mehreren Programm- und Haushaltsmitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zur Verfügung gestellt.
Eine sichtbare Veränderung sind die Radspuren auf der Fahrbahn. Je Fahrtrichtung gibt es nun eine. Bezirksstadtrat Hans Panhoff wertet das als einen der größten Erfolge:

„Der Umbau der Warschauer Straße ist auch ein Signal dafür, dass fahrradfreundliche Verkehrswege machbar sind. Auch auf vielbefahrenen Hauptverkehrsadern.“

Auch Senator Andreas Geisel sieht in der Warschauer Straße eine Erfolgsstory für alle Beteiligten:

„Jede Baustelle, die erfolgreich beendet wird, ist gut für die Berlinerinnen und Berliner. An der Warschauer Straße haben Land und Bezirk gemeinsam gezeigt, wie man intelligent den nur bedingt zur Verfügung stehenden Straßenraum gerecht
aufteilen kann. Davon profitieren sowohl Fußgänger und ÖPNV als auch Radfahrende und Autofahrer.“

Weniger euphorisch ist der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (kurz: ADFC). Er bemängelt vor allem die geringe Breite der Radspuren. Sie seien mit 1,50 m zuzüglich Sicherheitsabständen zwar regelkonform, aber für den starken zu erwartenden Radverkehr auf der Verbindung zu schmal. Ein Überholen von Radfahrern untereinander sei nur durch einen Wechsel auf die stark befahrene Autospur möglich. Deshalb fordere der ADFC an Hauptstraßen mindestens zwei Meter zuzüglich der Sicherheitsabstände zu parkenden und fahrenden Autos. Und auch die betrügen auf der der Warschauer Straße nur Mindestmaß, obwohl die Straße mit täglich 30.000 Autos und einem hohen Anteil an Kraftfahrzeugen belastet sei. Hinzu kommt, dass ein Teil der Spuren als Schutzstreifen ausgelegt sind und sonach bei Bedarf vom Individualverkehr befahren werden dürfen.

Ohnehin mutet es grotesk an, dass Senator Geisel von einer gerechten Flächenverteilung spricht. In seinen Eröffnungsworten mahnt er nämlich gleichfalls:

„Die Stadt wächst, das geht nicht nur über Autos.“

Bei den Zahlen wird der Dissens noch größer. Neben den besagten 30.000 Kraftfahrzeugen passieren nämlich laut Geisel bereits heute sage und schreibe 15.000 Fahrräder täglich die Warschauer Straße. Bei eineinhalb Meter breiten Radspuren kann von einer gerechten Aufteilung wohl kaum die Rede sein.

Freuen dürfen sich die Radfahrenden derweil über eine größere Anzahl von Stellplätzen. 400 Fahrradbügel wurden neu angebracht, ein erheblicher Teil davon an der Warschauer
Brücke für das „bike and ride“. Darüber hinaus wurde nebst der Ertüchtigung der Gehwege und der Errichtung von Lieferzonen an deren Rand auf der Fahrbahn ein lärmmindernder Spezialbelag aufgetragen, der die Rollgeräusche von Fahrzeuge dämpfen soll. Auch hier hätte sich der ADFC mehr Aktionismus von Senat und Bezirk gewünscht.

Eine Reduzierung des Autoverkehrs sei bei der Maßnahme nicht forciert worden, erklärt der Verband. Mehr noch: An vielen Bereichen sei der Gehweg sogar verengt worden. In puncto Luftqualität und Verkehrslärm werde es deshalb auch keine Verbesserungen geben. Franziska Schneider, stellvertretende Sprecherin der ADFC-Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg:

„Damit ist die Chance vertan, die Aufenthaltsqualität in der Warschauer Straße zu verbessern. Die Planung einer lebenswerten Stadt stellen wir uns anders vor.“

Um die Situation kurzfristig zu verbessern, schlägt die Stadtteilgruppe Tempo 30 vor. Ebenfalls ärgert sich der Interessenverband über die schleppende Umsetzung solcher Maßnahmen. Schließlich hatten die Planungen für die Warschauer Straße bereits 2011 begonnen. Der Bezirk macht im konkreten Fall „Berlins unbekannten Untergrund“ verantwortlich. Er habe den Arbeiten einen Strich durch die Rechnung gemacht. So sei man im Boden auf Leitungen gestoßen, die in keinem Plan verzeichnet waren. Um Schäden zu vermeiden, hätte daher natürlich zuerst recherchiert und geprüft werden müssen. cl

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