Papenhuder Straße: Ist keiner richtig Zufrieden? – Radfahrstreifen nützen Bussen

papenhuder

Planausschnitt zum Umbau der Papenhuder Straße, der ab kommenden Montag beginnt. Lediglich stadteinwärts erhalten Radfahrende einen Schutzstreifen. Quelle/Rechte: FHH / Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

Hamburg – Ab kommenden Montag baut der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) die Papenhuder Straße sowie die angrenzenden Bereiche des Hofwegs für rund 1,2 Millionen Euro um. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts Hofweg / Papenhuder Straße ist zum 20. November 2016 geplant. Im Bereich Mundsburger Damm sollen die Arbeiten, je nach Witterungsbedingungen, ab Februar 2017 beginnen und bis Juni 2017 beendet sein. Neben der Modernisierung und der barrierefreien Umgestaltung der Bushaltestellen sowie einer Vorrangschaltung für den ÖPNV an Ampeln steht aber darüber hinaus das Thema Fahrradfreundlichkeit im Fokus. In einem einjährigen Beteiligungsverfahren hatten Vertreter aus Politik, Interessenverbänden und Bürgerinitiativen um ein für alle Akteure geeignetes Maßnahmenpaket gerungen. Vorausgegangen war dem plebiszitären Diskurs der Streit um die von Olaf Scholz im Jahre 2011 vollmundig ausgelobte Busbeschleunigung als teilweiser Ersatz für eine Stadtbahn. Herausgekommen ist im Oktober letzten Jahres ein Kompromiss, der am Ende wohl nicht alle richtig glücklich macht.

Nicht mehr als 1,5 Fahrzeuge pro Minute

„Keiner ist richtig zufrieden: Parkplätze fallen voraussichtlich trotzdem weg, für die Verkehrssicherheit der Fußgänger und Radfahrer könnte man mehr tun.“

So lautet jedenfalls das Fazit des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Hamburg – kurz: ADFC. Der Interessenverband moniert vor allem den Wegfall von einer der beiden ursprünglich vorgesehenen Schutzstreifen. Lediglich stadteinwärts wird es einen solchen geben. Stadtauswärts sollen Radfahrende – anders als im aufschließenden Hofweg, wo es zwei Schutzstreifen gibt – unterdessen zusammen mit dem übrigen Verkehr auf der Straße fahren. Begründet wird dies mit dem geringen Anteil des zu erwartenden Individualverkehrs. Weil von der Mundsburger Brücke kommend nur Linienbusse links in die Papenhuder Straße abbiegen dürfen, rechnen die Verantwortlichen mit maximal 1000 Kfz pro Tag.

„Das entspricht in den Spitzenstunden ca. 80 bis 100 / h. Das sind nicht mehr als 1,5 Fahrzeuge pro Minute inklusive der dort fahrenden Busse“, sagt Richard Lemloh, Sprecher der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation gegenüber shaRAD Space. Die Aufregung darüber versteht er nicht. Seiner Meinung nach sei der Mischverkehr in der Papenhuder Straße in Fahrtrichtung Norden aufgrund des geringen Verkehrsaufkommens vertretbar.

Genau das aber bezweifelt Andrea Kupke vom ADFC Hamburg. Sie befürchtet, dass viele Radfahrende verkehrswidrig auf den Gehweg ausweichen werden, weil auf der Fahrbahn kein Angebot markiert ist. Damit würde sich nicht zuletzt auch für Fußgänger die Gesamtsituation verschlechtern. Die problematischste Stelle der Planung verortet sie derweil am Knoten Mundsburger Brücke.

„Dort sind nach wie vor nur drei Furten für Fuß+Rad vorgesehen. Radfahrer, die der Papenhuder Straße weiter stadteinwärts folgen möchten, müssen also dreimal eine ‚linke‘ Furt benutzen, mit dem bekanntermaßen erheblich höheren Unfallrisiko. Eine vierte Furt hätte allerdings dem Ziel, den Bus dort zu beschleunigen, entgegengewirkt.“

Umbau Papenhuder Straße beginnt

Die Papenhuder Straße in Höhe Mundsburger Brücke. Ab kommenden Montag startet die umfangreiche Neugestaltung der Straße im Zuge der Busbeschleunigung. Eine wesentliche Neuerung ist der Rückbau der Radwege zugunsten eines Schutzstreifens auf der Fahrbahn, jedoch nur stadteinwärts. Stadtauswärts müssen Radfahrende gemeinsam mit allen anderen Verkehrsteilnehmern auf der Straße fahren. Foto: Carsten Christier

Für den Busverkehr sind Radfahrstreifen günstiger

Ein Dilemma, das es auch für die Hamburger Hochbahn AG unbedingt zu vermeiden galt. Sie betreibt hier auf der Uhlenhorst die stark nachgefragte Metrobuslinie 6. Täglich nutzen rund 24.000 Fahrgäste die Direktverbindung zwischen dem Stadtpark und der HafenCity bzw. St. Pauli. Von der anstehenden Neuordnung verspricht sich das landeseigene Verkehrsunternehmen daher vor allem Verbesserungen für den Bus. Durch Fahrzeitgewinne soll die Kapazität der Linie signifikant erhöht werden. Schon alleine deswegen ist die Hochbahn eindeutig Befürworter von Radfahrstreifen. Unternehmenssprecher Christoph Kreienbaum sagt gegenüber shaRAD Space:

„Ganz grundsätzlich ist aus Sicht des Busverkehrs ein Radfahrstreifen günstiger.“

Allerdings sei im Falle der Papenhuder Straße ein Kompromiss gefunden worden, der die Leistungsfähigkeit des Busverkehrs verbessere. „Und das ist aus unserer Sicht entscheidend, denn ein Bürgerbeteiligungsverfahren schließt per se Kompromisse mit ein“, so Kreienbaum weiter. Er geht fest davon aus, „dass die Gesamtmaßnahmen eine Verbesserung für den 6er bringen werden, die helfen, den Fahrgastbetrieb bis Ende 2027 erfolgreich darzustellen.“

„Und dann soll die derzeit in Planung befindliche U5 die Linie 6 entlasten.“

Ein Stellplatz mehr für Autos 

Mit dem Ergebnis gleichermaßen zufrieden ist Richard Lemloh von der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation:

„Im Bereich Papenhuder Straße / Mundsburger Damm / Armgartstraße / Hartwicusstraße sind umfangreiche und sehr deutliche Verbesserungen vorgesehen, die an dieser hoch frequentierten Stelle zu spürbaren Erleichterungen führen werden. Der gefundene Kompromiss nach den Beteiligungsworkshops ist vom ADFC (Frau Kupke) mitgetragen worden.“

Auch der ebenfalls vom ADFC aufgebrachten Kritik, dass die Papenhuder Straße ob der Sonderlösung aus dem Konzept der Velorouten ausschere, erteilt er eine Abfuhr. Sie sei schlicht nicht Bestandteil des Veloroutennetzes, auch wenn der ADFC in der Vergangenheit die Verlegung der Veloroute 5 gefordert habe. Lemloh ist überzuegt: „Für den Radverkehr ist insgesamt sehr viel getan worden.“ Und für den Autoverkehr: Denn der hat, wie Andrea Kupke subtil bemerkt, nach dem Umbau der Papenhuder Straße sogar einen Stellplatz mehr zur Verfügung. cl

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