Klosterstern: Abseits der Straße und abseits der Regeln

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Gemäß der zur Straßenverkehrsordnung dazugehörigen Verwaltungsvorschrift eigentlich nicht zulässig: Radfahrstreifen innerhalb eines Kreisverkehrs. Am Klosterstern werden sie jetzt entstehen. Quelle/Rechte: Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation

Hamburg – Ab kommenden Dienstag beginnt in Harvestehude der in acht Phasen unterteilte umfangreiche Umbau des Klostersterns. Bis Ende Oktober 2017 sollen die 4,8 Millionen Euro teuren Arbeiten des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) andauern, werden aber vor dem Hintergrund der Weihnachtseinkäufe zwischen November und Mitte Januar ausgesetzt. Anlass für die Neugestaltung ist der barrierefreie Ausbau des gleichnamigen U-Bahnhofs. Da ein Aufzug wegen der Lage des unterirdischen Bahnsteiges nur im Bereich des vorhandenen südlichen Zebrastreifens an der Kreuzung Eppendorfer Baum / Ecke Klosterstern errichtet werden kann, ist eine Neuordnung der Flächen unumgänglich.

Gleichzeitig nutzt der LSBG die Gelegenheit, parallel dazu die in die Jahre gekommenen Fahrbahnen im Eppendorfer Baum, im Klosterstern und in der Rothenbaumchaussee zu sanieren. Mit der Maßnahme einher geht ebenfalls die Modernisierung der angrenzenden Gehwege, Parkplätze sowie Fahrradstellplätze und eine Revitalisierung der Baumstandorte. Mit Bänken, einer ansprechenden Bepflanzung und einer modernen Beleuchtung möchte der LSBG die Aufenthaltsqualität im Eppendorfer Baum stärken und damit zum Verweilen einladen. Ferner sollen ca. 250 Stellplätze für Fahrräder geschaffen (an Bügeln und in Boxen, einschließlich Bike + Ride, Eppendorfer Baum und Klosterstern) und eine StadtRad-Station in der Nähe des neuen Aufzuges errichtet werden.

Der jetzt anstehende Umbau ist Resultat eines zähen Ringens um eine einvernehmliche Lösung zwischen allen Beteiligten, in dessen Verlauf die Stadt sogar einen Mediator eingeschaltet hatte. Rund eineinhalb Jahre bekämpften Anwohner und Gewerbetreibende die Pläne des Senats. Kopf des Protests war die Bürgerinitiative „Hände weg vom Klosterstern!“, was man auch auf die Art hätte übersetzen können: Alles soll so bleiben, wie es ist.

Größter Knackpunkt waren die Parkplätze im Kreiselinnern des Klostersterns, die nach den ursprünglichen Vorstellungen des Senats eigentlich hätten zu einem Großteil entfallen sollen. Am Ende aber gab die Politik klein bei. Die Reduzierung der Parkhäfen von 90 auf 37 wurde gekippt, der Status quo bleibt erhalten.

Das ärgert auch Dirk Lau vom ADFC Hamburg. Der Sprecher des Fahrradclubs beklagt gegenüber shaRAD Space:

„Wir sehen es als kritisch an, dass die Stadt ein weiteres Mal den Protesten einiger Wutbürger und autofahrender Anlieger nachgegeben hat und die Kfz-Stellplätze im inneren Kreisel nicht neu sortiert hat. Der Erhalt und Schutz der Bäume, immerhin eine zentrale Forderung aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren, wird somit weiterhin durch illegale Kampfparker gefährdet.“

Genauso wenig Jubel löst die im selben Atemzug konzipierte Restrukturierung des Radverkehrs aus. Auf 600 Metern Länge entstehen im Eppendorfer Baum und auf 150 Metern Länge in der Rothenbaumchaussee beidseitige Radfahrstreifen, die innerhalb des Kreisverkehrs mit einer durchgehenden Breite von zwei Metern zuzüglich eines Sicherheitsstreifens von 65 Zentimetern fortgeführt und durch einen drei Zentimeter hohen Bord abgetrennt werden. Zwar bringe der jetzt geplante Radfahrstreifen innerhalb des Kreisels eine Verbesserung gegenüber dem alten, lächerlich schmalen und gefährlichen Zwangsradweg auf dem Bürgersteig, wie Lau sagt.

 „Aber ein Kreisverkehr hat seine eigenen Gesetze und beinhaltet einige Unbekannte – auch typische Gefahrenlagen.“

Damit hat er sicherlich Recht. Ebenfalls nicht von der Hand zu weisen sind seine Bedenken darüber, dass Radverkehrsanlagen innerhalb von Kreisverkehren umstritten, strenggenommen nach der zur Straßenverkehrsordnung dazugehörigen Verwaltungsvorschrift sogar unzulässig sind.

Für den smarten Interessenvertreter Dirk Lau „ist es nicht verständlich, warum die Radfahrer*innen nicht einfach auf der Fahrbahn geführt werden.“ Er vermutet, die Stadt wolle dem subjektiven Sicherheitsempfinden vieler Radfahrender Rechnung tragen, statt zum Beispiel Tempo 30 anzuordnen und den Autoverkehr weiter einzuschränken. Aus Sicht des ADFC ist die Debatte somit keineswegs beendet, wie Lau deutlich zu verstehen gibt:

„Lange Rede, kurzer Sinn: Wir fordern ein Sicherheitsaudit begleitend zu der neuen Verkehrsführung.“

cl

 

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