„Was macht ihr?“ – „Fahrrad fahren, und du?“

Critical Mass Stuttgart

Die Critical Mass erobert mit der B 14 wenigstens für einen Moment eine vom Auto sicher geglaubte Bastion. In Zeiten der bevorstehenden Feinstaub-Saison wäre ein Umdenken von Gesellschaft und Politik dringend angezeigt. Foto: Christian Linow

Stuttgart – Jeden ersten Freitag im Monat um 18.30 Uhr trifft man sich am Feuersee. Fast geräuschlos rollen sternförmig die unterschiedlichsten Räder mit den unterschiedlichsten Typen auf den Feuerseeplatz. Kinder, Rentner, Studierende, Langhaarige, Kurzhaarige, Grauhaarige, Bärtige und Rasierte, einmal im Monat verwandelt sich die Piazza vis-à-vis von der Kirche mit dem gestutzten Turm in ein Sammelbecken für alles, was auf Zweirädern hockt. Die wiederum können gerne auch mehr als zwei runde Schluffen haben, je nachdem, ob sie einen Anhänger voll bepackt mit Musik hinter sich herziehen oder sich gleich als Lastenrad in den Pulk einreihen, der strenggenommen bloß eines zum Ziel hat: Fahrrad fahren.

Das mag trivial klingen, ist aber gar nicht so einfach, wie man denkt.

Dieser Tweet beschreibt mit wenigen Worten all die Unwägbarkeiten des Radfahrens in Städten wie Stuttgart. Er ist zudem ein subtiler Appell an alle, endlich etwas daran zu ändern. Und die Critical Mass ist das Gesicht dazu.

Rund 600 Teilnehmer haben gestern wieder auf einer Strecke von 20 Kilometern quer durch die Stadt gezeigt, wie ernst es ihnen damit ist. Etwas mehr als zwei Stunden gehörte ihrem Klingeln und dem im Vergleich zum Auto geräuschlosen Protest der Straßenraum. Für einen kurzen Moment fielen die Bastionen des ganz und gar nicht heiligen Blechles, was sich spätestens im Berger Tunnel hautnah erspüren ließ. Ein Mix aus Beats, Läuten und Freudenschreien ließ den Emotionen freien Lauf. Irgendwo im Stuttgarter Osten, kurz vor der Zielgeraden rief dann ein Passant der Menge zu: „Was macht ihr?“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Fahrrad fahren, und du?“ Nicht mehr, aber auch nicht weniger ist es, was die Critical Mass will. Nicht zuletzt deswegen stellt man sich in den Reihen der Initiatoren die Frage, ob die bis dato als Demonstration offiziell angemeldete monatliche Tour nach dem Vorbild anderer künftig unangekündigt stattfindet, weil „Radfahren keine politische Meinungsäußerung ist, sondern Radfahren.“ cl

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