Rugenfeld bekommt einen Radfahrstreifen – Die Betonung liegt auf „einen“

Hamburg – Ab kommenden Sonntag beginnt der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) mit der Generalsanierung des Rugenfelds. Von der Osdorfer Landstraße bis einschließlich zur Kreuzung Rugenbarg werden sowohl die Fahrbahn als auch die umliegenden Nebenflächen für rund 1,5 Millionen Euro instand gesetzt und umgebaut. Die Maßnahme ist in zwei Abschnitte aufgeteilt und dauert bis voraussichtlich Ende April 2017. In diesem Jahr wird der Straßenabschnitt Rugenfeld zwischen Osdorfer Landstraße einschließlich der Kreuzung Am Osdorfer Born hergestellt. Im kommenden Jahr folgt der Straßenabschnitt Rugenfeld zwischen Am Osdorfer Born und der Kreuzung Rugenfeld / Rugenbarg.

In seiner heutigen Erklärung lobt der Landesbetrieb:

„Für die Radfahrer wird es zukünftig komfortabler, denn der LSBG stellt einen Radfahrstreifen in der Fahrbahn für die Richtung Lurup und einen Radweg in Richtung Osdorf in den nördlichen Nebenflächen her.“

Was auf den ersten Blick nach einer Menge klingt, erfreut längst nicht jeden. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ist enttäuscht und lastet der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation an, sie habe vor „ideologischen Verkehrspolitikern“ und Vertretern der Handelskammer klein beigegeben.

Ursprünglich hatte der Senat einen Rückbau des Ring 3 von vier auf zwei Fahrspuren zugunsten von je einem Radfahrstreifen pro Richtung vorgesehen. Die massive Kritik aufseiten der Bezirkspolitiker und Anwohner veranlasste unterdessen die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation zu einer Überarbeitung ihres Konzeptes. Nunmehr ist geplant, das Rugenfeld für Autofahrer lediglich auf drei Spuren einzudampfen, wobei je eine pro Richtung und eine weitere für das wechselseitige Linksabbiegen zur Verfügung stehen soll. Mithilfe des dazugewonnen Platzes entsteht auf der südlichen Seite ein Radfahrstreifen auf einer Länge von einem Kilometer. Auf der unbebauten nördlichen Seite entfällt ein solcher jedoch ersatzlos. Stattdessen wird der bis dato getrennt ausgeführte Geh- und Radweg zu einer nach Zeichen 237 der StVO gekennzeichneten benutzungspflichtigen Radverkehrsanlage ausgebaut.

Dem CDU-Bezirksabgeordneten Tim Schmuckall treibt so etwas die Zornesröte ins Gesicht. Gegenüber shaRAD Space ätzt er:

„Rot-Grün betreibt hier ein Umkrempeln Hamburgs zur Fahrradstadt, koste es was es wolle. Und selbst Fußgänger haben dabei das Nachsehen.“

Aber auch aus den Reihen der SPD kommt Kritik an den Radwegen. Osdorfs SPD-Wahlkreisabgeordnete Anne Krischok erklärte im September letzten Jahres:

„Die Sinnhaftigkeit des Fahrradweges an dieser Stelle sehe ich nach wie vor nicht, aber man kann mit dem jetzigen Kompromiss leben. Mehr war leider in den Verhandlungen nicht umsetzbar.“

Bereits im Juni 2015 hatte sie in einer Schriftlichen Kleinen Anfrage an den Senat durchblicken lassen, Radfahrstreifen – zumindest an dieser Stelle – nicht besonders viel abgewinnen zu können:

  • Wurden bei der Planung auch Alternativ-Konzepte – beispielsweise ein gemeinsamer Rad- und Fußweg ähnlich der derzeitigen Lösung – geprüft?
  • Wenn ja: Welche Alternativen wurden geprüft? Aus welchen Gründen wurden diese als nicht umsetzbar erachtet?
  • Wenn nein: warum nicht?

Dass ausgerechnet die ansonsten nicht gerade selten autoaffine FDP den Eindruck erwecken könnte, mit Radfahrenden zu sympathisieren, würde wohl kaum jemand erwarten. Dennoch hält Lorenz Flemming, der als Ur-Liberaler gilt, in der September/Oktober-Ausgabe der „Altonaer Freiheit“ von 2015 ein fast leidenschaftliches Plädoyer:

Spätestens ab dem Rugenbarg, also nach gut
800 Metern, ändert sich das Bild grundlegend. Es bleibt alles, wie es war. Kein Radstreifen auf der Fahrbahn, sondern ein Radweg in beide Richtungen. Mal so mal so. Der Radfahrer ist ja flexibel.

Trotzdem fragt sich der Bürger und Verkehrsteilnehmer: Kann Hamburg nicht einmal einen ganzen Straßenzug in der gleichen Weise ausbauen? Fahrräder mal auf der Fahrbahn, mal auf dem
Radstreifen, mal neben der Fahrbahn. Und das in regelmäßigem
Wechsel. Muss man jeder Straße ansehen, ob sie unter Rot,
Schwarz, Rot oder Rot/Grün gebaut wurde?

Gute Frage. cl

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