Eine Flocke macht noch keine Lawine – Hamburgs Winterdienst auf Radwegen

Winterdienst auf Radwegen

Symbolfoto: Hamburg weitet seinen Winterdienst auf Radwegen erneut um 21 Kilometer aus. Damit werden in diesem Winter etwas mehr als 200 Kilometer Radwege gestreut und geräumt. Foto: Christian Linow

Hamburg – Wie aus einer Schriftlichen Kleinen Anfrage des Abgeordneten Martin Bill (Grüne) vom 29. September hervorgeht, wird der Winterdienst auf Hamburgs Radwegen auch in der bevorstehenden Saison ausgeweitet. Entgegen anderslautender Medienberichte wächst das Netz der geräumten Strecken allerdings nur zaghaft um weitere 21 Kilometer an. In der vergangenen Winterdienstsaison 2015/2016 waren es immerhin noch 40 Kilometer, um die der Bestand von 150 Kilometern Länge expandierte. Damit wird die Stadtreinigung Hamburg (SRH) ab diesem Jahr auf rund 231 Kilometern Radweg Schnee und Eis entfernen. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen Radfahr- sowie Schutzstreifen auf Fahrbahnen so genannter verkehrswichtiger Straßen, die in den Fahrbahn-Streuplänen zwar enthalten sind, aber von der SRH nicht gesondert erfasst werden. Die Kosten für den zu erwartenden Mehraufwand belaufen sich auf rund 60.000 Euro jährlich. Weitere 100.000 Euro sind für die Laubbeseitigung auf Radwegen vorgesehen.

Ohnehin hat das Streuen von Radwegen in der Hansestadt noch keine allzu lange Tradition. Erst zur Saison 2010/2011 war der Winterdienst nach einer Änderung des Hamburgischen Wegegesetzes eingeführt worden. Bis dahin, so heißt es in der Drucksache 19/8471, wurden Radwege „bei winterlichen Verhältnissen auf Grund des relativ geringen Radfahreraufkommens in der Regel als nicht verkehrswichtig eingestuft und somit nicht von Schnee und Eis geräumt.“ Eine Ausnahme war die Veloroute 3. Auf der gut 20 Kilometer langen Strecke zwischen dem U-Bahnhof Niendorf Nord und dem Univiertel wird dem Bodenfrost seit 2000 der Garaus gemacht. Aber auch der Start in einen fahrradgerechteren Winter verhieß am Anfang nichts Gutes. Der frühere ADFC-Sprecher Stefan Warda hatte in einem Artikel der taz vom 21.12.2010 seinem Ärger Luft gemacht und geätzt:

„In den letzten Tagen war nicht ein einziger Radweg oder Radfahrstreifen dieser Kerngebietskarte geräumt, an dem ich vorbeikam […] Radfahrer, die sich nicht abschrecken lassen, fahren fast ausnahmslos auf dem mehr oder weniger gut geräumten Gehweg und behindern Fußgänger.“

Diese Anlaufschwierigkeiten scheinen sich unterdessen gelegt zu haben. Dirk Lau vom ADFC Hamburg gibt sich optimistisch und stellt gegenüber shaRAD Space zufrieden fest, dass sich die Hamburger Straßenreinigung durchaus bemüht. Und das, obwohl es im letzten Jahr noch geheißen hatte, mehr gehe in Anbetracht von begrenzten Mitteln und Personal keinesfalls. „Aber offenbar hat unsere Kritik an der Unzulänglichkeit des Winterdienstes doch etwas bewirkt. Es ist positiv, dass sich die Stadtreinigung der Problematik bewusst ist, dass es ein rudimentäres Netz gibt und dieses ausgeweitet werden soll.“

Elanvoll klingt ebenfalls Martin Bill, der Fragesteller und zugleich verkehrspolitische Sprecher der Grünen. In der gestrigen Ausgabe der Hamburger Morgenpost betont er:

„Für attraktive Radwege ist es unheimlich wichtig, diese ganzjährig befahrbar zu halten […]. Dazu gehört ein umfassender Winterdienst und eine Reinigung der Radverkehrsführung.“

Dem wird Dirk Lau nur beipflichten können. Für den Interessenvertreter ist indes ebenso klar:

„Im Vergleich zu anderen Städten hinkt Hamburg aber auch nach dieser neuerlichen Aufstockung immer noch hinterher. Beispielsweise steht Radfahrenden im viermal so kleinen Karlsruhe seit dem Winter 2014/2015 ein geräumtes Radnetz von insgesamt 180 km zur Verfügung. In Hamburg werden es jetzt nicht mal ein Drittel mehr sein. Aber vielleicht schneit es ja diesen Winter noch weniger.“

Überdies müsse man bei allen Zahlenspielen berücksichtigen, dass immer beide Richtungen gezählt würden, sodass am Ende bloß die Hälfte übrig bleibe.

d-winterradkarte-gesamtgebiet

Viele weiße Flecken sind auf der Karte der Behörde für Umwelt und Energie auszumachen. Radfahrende, die aus den äußeren Stadtteilen kommen oder abseits von Magistralen auch im Winter fahren wollen, werden wohl mit verschneiten und vereisten Radwegen rechnen müssen. Quelle/Rechte: BUE, LGV

Zweifelsohne sind die Bemühungen des Senats lobenswert, jedoch fallen die Ergebnisse gegenüber Velometropolen wie Kopenhagen eher kärglich aus. Dort nämlich genießen Radwege die höchste Priorität und werden zuallererst von Schnee und Glätte befreit. Um im Bild zu bleiben: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Flocke noch keine Lawine, wenn es um den Paradigmenwechsel in Sachen Verkehrspolitik geht. cl

 


 

Auf folgende Straßen wird der Winterdienst auf Radwegen ausgedehnt:

  • Hoheluftchaussee von Isestraße bis B5
  • Grindelallee von Parkbucht Heinrich-Rapp-Straße bis Kreuzung Hallerstraße
  • Grindelberg von Kreuzung Hallerstraße bis Isestraße
  • Hoheluftchaussee von B5 bis Isestraße
  • Grindelberg von Isestraße bis Kreuzung Beim Schlump
  • Grindelallee von Kreuzung Beim Schlump bis Abgang hinter Sedanstraße
  • Stresemannstraße nach Pollern gegenüber Missundestraße bis Platz Neuer Pferdemarkt
  • Budapester Straße von Platz Neuer Pferdemarkt bis St. Pauli Platz
  • Budapester Straße von St. Pauli Platz bis Platz Neuer Pferdemarkt
  • Stresemannstraße von Platz Neuer Pferdemarkt bis Alsenstraße (Neue Flora)
  • Wandsbeker Marktstraße von Wandsbeker Allee bis Wandsbeker Brücke
  • Wandsbeker Marktstraße von Wandsbeker Brücke bis Robert-Schumann-Brücke
  • Wandsbeker Marktstraße Verkehrsinsel am Wandsbeker Marktplatz
  • Wandsbeker Marktstraße umlaufender Radweg um dem Wandsbeker Markt 
  • Adolph-Schönfelder-Straße von Hamburger Straße bis Wiesendamm
  • Adolph-Schönfelder-Straße von Wiesendamm bis Hamburger Straße
  • Hufnerstraße von Fuhlsbüttler Straße bis Wiesendamm
  • Beim Schlump von Bogenstraße bis Gustav-Falke-Straße
  • Kleiner Schäferkamp von Schäferkampsallee bis Weidenallee
  • Altonaer Straße von Weidenallee bis Schulterblatt
  • Max-Brauer-Allee von Schulterblatt bis Ableitung Stresemannstraße
  • Max-Brauer-Allee von Stresemannstraße bis Suttnerstraße
  • Max-Brauer Allee von Suttnerstraße bis Holstenstraße
  • Max-Brauer-Allee von Holstenstraße bis Bei der Johanniskirche
  • Max-Brauer-Allee von Bei der Johanniskirche bis Stresemannstraße
  • Max-Brauer-Allee von Stresemannstraße bis Schulterblatt
  • Altonaer Straße von Schulterblatt bis Schanzenstraße
  • Kleiner Schäferkamp von Schanzenstraße bis Schröderstiftstraße
  • Beim Schlump von Schröderstiftstraße bis Bundesstraße
  • Uferstraße von Richardstraße bis Lerchenfeld
  • Robert-Schumann-Brücke von Schloßstraße bis Wandsbeker Marktstraße
  • Sechlingspforte von Barcastraße bis Westphalensweg
  • Sechlingspforte von Steinhauerdamm bis Barcastraße
  • Saarlandstraße von Wiesendamm bis Jahnring
  • Saarlandstraße von Jahnring bis Wiesendamm
  • Alsterglacis von Alsterufer bis Mittelweg
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s