Das Fraenkelufer ist kein Anwohnervorgarten

Umgestaltung Fraenkelufer

Das Fraenkelufer soll saniert und umgebaut werden. Eine Anwohnerinitiative ist dagegen. Jetzt kommt es am letzten Sonntag im Monat November zum Bürgerentscheid. Foto: Christian Linow

Berlin – Seit etwa zwei Jahren schwelt der Streit um das Kreuzberger Fraenkelufer. Seinen Höhepunkt erreicht der Konflikt nun mit einem Bürgerentscheid am Sonntag, den 27. November 2016. Eine Anwohnerinitiative hat ihn erwirkt und versucht damit, den vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg beabsichtigten Umbau zu verhindern. Auf dem etwa 250 Meter langen Abschnitt nordwestlich der Admiralbrücke will der Bezirk den Gehweg auf bis zu acht Meter verbreitern, „um insbesondere die Nutzungskonflikte zwischen Radfahrer*innen und Fußgänger*innen zu entschärfen“, wie es in einer offiziellen Präsentation heißt. Zu Fuß Gehende sollen der Unterlage zufolge Vorrang genießen, zugleich aber soll der Weg ebenfalls für Radfahrende freigegeben werden.

Der Platz für die Verbreiterung des Bürgersteigs wird durch zukünftiges Längs- im Gegensatz zum heutigen Querparken gewonnen. Des Weiteren sollen sowohl am Erkelenzdamm als auch am Planufer neue Parkhäfen entstehen, so dass keine Stellplätze verloren gehen. Die Grünfläche entlang des Ufers will man derweil von den Maßnahmen verschonen und das historische Geländer sowie die so genannte Schneckentreppe erhalten und sanieren. Als Bodenbelag sehen die Entwürfe ein Natursteinpflaster mit wasserdurchlässigen Fugen vor, das sich durch eine hohe Witterungsbeständigkeit auszeichnet.

In dem Streit hat sich nun auch der ADFC Berlin zu Wort gemeldet. Er empfiehlt den Bewohnerinnen und Bewohnern Friedrichshain-Kreuzbergs, an der Abstimmung teilzunehmen und ihre Stimme der Veränderung des Ufers zu geben. Der aktuelle Uferweg sei zu schmal und in einem schlechtem Zustand. Im Sommer würden sich Fußgänger und Radfahrer in die Quere kommen. Außerdem sei er für Rollstuhlfahrer kaum benutzbar und für ältere Menschen bei Nässe sogar gefährlich.

In einer Pressemitteilung des ADFC Berlin heißt es dazu:

„Ein durchgängiger, attraktiver und breiterer Fuß- und Radweg entlang des Landwehrkanals ist ein übergreifendes städtebauliches Ziel, das über den reinen Anwohnerinteressen steht. Alle wahlberechtigten Bürger des Bezirks können sich am 27.11.2016 entscheiden zwischen der Forderung der Anwohner – ‚keine Veränderung‘ – und der Forderung des Bezirks – ‚Neugestaltung des Fuß- und Radwegs entlang des Landwehrkanals‘.“

Zwar begrüße der ADFC grundsätzlich das Engagement vieler Anwohner des Fraenkelufers für ihre Straße. Dennoch sei das Fraenkelufer nicht der Vorgarten der Anwohner. Aufgrund der Lage direkt am Landwehrkanal sei der Abschnitt ein wichtiger Naherholungsraum für die Bewohner des Quartiers und für Besucher. Der ADFC Berlin und die Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg würden daher auf ein Abstimmungsergebnis hoffen, das nicht Stillstand bedeute.

Stadtplaner und Mobilitätsforscher Tim Lehmann, aktiv in der ADFC-Stadtteilgruppe Friedrichshain-Kreuzberg, sagt:

„Wir sind für eine Verbesserung der aktuellen Situation und empfehlen daher, gegen den Anwohnerantrag zu stimmen.“

Gleichwohl übt Lehmann auch Kritik: „Die Planungen des Bezirks gehen in die richtige Richtung, allerdings sehen wir auch dort noch Nachbesserungsbedarf. Beispielsweise gäbe es deutlich bessere Lösungen für Langzeitparken als in der aktuellen Planung, sowohl was die Bedürfnisse von Parkplatzsuchenden betrifft als auch die Aufenthaltsqualität entlang der Straße.“ cl

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