Rosenstein: Kein Quartier, dass dem Auto ausgeliefert sein soll

Memorandum Rosenstein

Das Memorandum Rosenstein bildet den Schlusspunkt der ersten Etappe in der Auseinandersetzung um das neue Quartier auf den heutigen Flächen der Eisenbahn. Oberbürgermeister Fritz Kuhn mit Stefan Kessen und Beate Voskamp von der MEDIATOR GmbH (von links nach rechts). Foto: Christian Linow

Stuttgart – In Anwesenheit von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn und Baubürgermeister Peter Pätzold sowie dem Forum Rosenstein hat gestern die MEDIATOR GmbH ihren Entwurf für das Memorandum Rosenstein vorgestellt, das als Grundlage für die Entwicklung des neuen gleichnamigen Stadtteils dienen soll. Vorausgegangen war dem Prozess eine intensive Bürgerbeteiligung im so genannten Forum Rosenstein. Das Memorandum markiert das Finale der ersten Etappe im Ringen um die Gestaltung des Areals, womit der Diskurs jedoch keineswegs als abgeschlossen angesehen werden darf.

Auf den durch Stuttgart 21 freiwerdenden Flächen zwischen dem Hauptbahnhof und dem Rosensteinpark wird nach Fertigstellung des Tiefbahnhofs ein neues Quartier entstehen, das Oberbürgermeister Fritz Kuhn gestern wörtlich „einen Gegenentwurf zum Europaviertel“ nannte. Kuhn liest in fast allen Beiträgen der Bürgerinnen und Bürger den Appell an die Politik:

„Schaut, dass unterschiedliche Nutzungsformen, unterschiedliche soziale Schichten in diesem Quartier wohnen, arbeiten und leben können.“

Eine laut Kuhn keineswegs selbstverständliche, jedoch umso wichtigere Botschaft. Er versteht sie so, dass die ansonsten üblichen Funktionsaufteilungen überwunden werden müssen, damit vor Ort Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen, Sport treiben und ihre Freizeit verbringen können. Über alledem stehe eine gute Anbindung durch den öffentlichen Personennahverkehr – oder wie es das grüne Stadtoberhaupt resümierend ausdrückte:

„Es darf kein Quartier werden, dass dem Auto ausgeliefert sein soll.“

Unterschiedliche Ansätze gibt es hierzu auch in dem gestern vorgelegten Entwurf zum Memorandum Rosenstein, den mehrere thematisch aufgeteilte Expertengruppen erarbeitet haben. Neben dem öffentlichen Personennahverkehr spielt vor allem das Fahrrad eine wichtige Rolle. In den sechs Leitplanken – also den bei der weiteren Planung ausdrücklich zu beachtenden Punkten – wird hervorgehoben, dass es für die Rosensteiner von Bedeutung ist, über „ein attraktives Radwegenetz im Viertel und eine zeitgemäße Fahrradinfrastruktur (insbesondere wichtig für Pendler)“ verfügen zu können, „die heutigen Bedürfnissen an Fahrradnutzungen entspricht und aktuelle Entwicklungen berücksichtigen kann.“

Um dieses Ziel zu verwirklichen, hält es die Expertengruppe Mobilität in ihrem Fazit für erforderlich, eine ausreichende Anzahl an qualitativ hochwertigen Fahrradabstellplätzen sowohl im Quartier als auch an ÖPNV-Stationen zu schaffen. Darüber hinaus soll die innere Erschließung durch einen Mix aus Fahrradstraße und Shared Space realisiert werden, wodurch einerseits der Wirtschaftsverkehr angemessen abgewickelt, aber gleichzeitig der MIV „verteuert“ werden könnte.

Wolfgang Maier vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung geht sogar noch einen Schritt weiter und ruft in seinem Thesenpapier der Expertengruppe Freiraum/Umwelt zwei Radschnellwege auf den Plan:  Innenstadt – Überwerfungsbauwerk – Stuttgart-Nord und Innenstadt – Rosensteintunnel – Neckarbrücke – Neckarpark. cl

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