Hamburgs Mühlenkamp: Ein Erfolg mit Grenzen

Umbau Papenhuder Straße beginnt

Mittlerweile hat der gesamtheitliche Umbau entlang der Alster die Papenhuder Straße erreicht. Zum bereits vor über einem Jahr umgestalteten Mühlenkamp liegt nun seit heute eine wissenschaftliche Nachbetrachtung vor. Foto: Carsten Christier

Hamburg – Mitte letzten Jahres war der Umbau des Mühlenkamps im Zuge der umstrittenen Busbeschleunigung beendet worden. Zuvor hatte ein jahrelanger Kampf zwischen der Stadt und den Anwohnern immer wieder zu neuen Kompromissen und Eingeständnissen geführt. Heute nun zog die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation Bilanz. Im Verkehrsausschuss wurde die von der Bürgerschaft beschlossene Evaluation der Maßnahmen durch ein unabhängiges Büro auf Betreiben des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) vorgestellt.

Staatsrat Andreas Rieckhof lobt die Ergebnisse: „Unter dem Strich zeigt die Evaluation auf, dass die Busbeschleunigung am Mühlenkamp ein Erfolg ist. Der Bus kommt auf dem kurzen Abschnitt deutlich schneller durch, und das Wohnquartier wird spürbar vom Verkehr entlastet. Dies macht den Takt von drei Bussen in zehn Minuten zuverlässiger und sorgt für eine gleichmäßige Auslastung der Fahrzeuge.“

Als wichtigste Errungenschaft sieht man bei der Behörde den Rückgang des Verkehrs im Wohngebiet östlich des Mühlenkamps um 15%. Des Weiteren wiesen alle Straßen im Untersuchungsgebiet – bis auf die Semperstraße – eine geringere Verkehrsbelastung auf als vor den Umbaumaßnahmen bzw. blieben unter der genannten Grenze von durchschnittlich 10 Prozent Verkehrszunahme. Ebenfalls hätten sich die Störungen für den Busverkehr der Linie 6 um 94 Prozent verringert. Nicht zuletzt dadurch werden stundenweise Fahrtzeiteinsparungen von über 30 Sekunden erreicht, wobei der Durchschnitt stadteinwärts 25 Sekunden und stadtauswärts 20 Sekunden beträgt.

Bei aller Euphorie muss jedoch erwähnt werden, dass durch die Umbauten vor allem der Bereich der westlichen Semperstraße unter einer drastischen Zunahme des Verkehrs leidet. Mit einer Steigerung von 2.495 Fahrzeugen pro Tag auf 4.357 Fahrzeuge pro Tag liegt der Anteil bei beachtlichen 75 %.

Genauso durchwachsen fällt das Resümee der Experten zum Thema Radverkehr aus. Im gleichen Atemzug mit der Busbeschleunigung wollte man ebenfalls die Situation der Radfahrenden verbessern. Zum einen aber hat auch im Mühlenkamp die Verkehrsstärke durch Verlagerungseffekte zugenommen, nördlich des Poelchaukamps sowie südlich der Gertigstraße um bis zu 21 %. Zum anderen sind die zwischen Goldbekplatz und Hofweg aufgetragenen Schutzstreifen gleich an zwei empfindlichen Stellen unterbrochen. Radfahrer müssen sowohl stadteinwärts zwischen den Einmündungen Poelchaukamp sowie Gertigstraße als auch stadtauswärts im Bereich der Bushaltestelle Gertigstraße mit der regulären Fahrbahn vorliebnehmen. Denn „in beiden Fällen hätten sämtliche Straßenbäume auf der Westseite sowie der Parkstreifen entfernt werden müssen“, wie es in der Evaluation heißt. Gleichwohl bescheinigen die Fachleute dem Gesamtpaket durchaus eine Verbesserung, wenn auch eine mit Grenzen:

„Das Ziel, angemessene Radverkehrsanlagen zu schaffen, ist damit weitgehend erfüllt. Eine vollständige Erfüllung ist aufgrund des Platzangebots nicht möglich.“

So ähnlich hatte die Lage Andrea Kupke vom ADFC Hamburg bereits 2014 eingeschätzt. Damals monierte sie vor allem die besagten Einschnitte bei den Schutzstreifen. Ungeachtet dessen kam sie seinerzeit zu dem Schluss: „Dennoch überwiegen für den Radverkehr die Vorteile dieser Planungen zur Busbeschleunigung […].“ cl

Die gesamte Evaluation ist einzusehen unter: http://www.via-bus.de/contentblob/7541684/5d042b75a17572bd0c67724458273010/data/53-mb6-bericht-evaluation-muehlenkamp.pdf

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Ein Gedanke zu “Hamburgs Mühlenkamp: Ein Erfolg mit Grenzen

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