ADFC und ADAC einig: Autofreie Friedrichstraße ein Gewinn für Berlin

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Unter den Linden oder Friedrichstraße, das ist hier die Frage. Welche Straße ist für eine Fußgängerzone besser geeignet? ADAC und ADFC sind sich darüber bereits einig. Foto: Tom Gerlich

Berlin – Eine auf den ersten Blick ungewohnt anmutende Allianz gehen aktuell der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) miteinander ein. Nachdem sich die neue rot-rot-grüne Landesregierung bereits in ihren Koalitionsverhandlungen Anfang November darauf verständigt hatte, Berlins Prachtstraße Unter den Linden verkehrsberuhigen zu wollen, meldete sich vor gut einer Woche der ADAC mit einem Gegenvorschlag zu Wort.

Anstelle des prominenten Straßenzuges zwischen Brandenburger Tor und dem Humboldtforum soll die Friedrichstraße zu einer Fußgängerzone umgebaut werden. Andernfalls befürchtet der Automobilclub die Verödung der Linden, die seiner Meinung nach im Gegensatz zur Friedrichstraße nicht allzu stark vom Einzelhandel dominiert werden. Beifall für seinen Vorschlag bekommt der ADAC nun von seinem Stellvertreter unter den Radfahrenden:

„Der ADFC begrüßt den Vorschlag des ADAC, den Verkehr in der Friedrichstraße zu beruhigen. Dies hätte positive Folgen, nicht nur für Fußgänger und Radfahrer, sondern auch für die lokalen Geschäfte.“

Trotz des dichten Verkehrs gebe es auf der Friedrichstraße keine Radverkehrsanlagen. Für Radfahrer bedeute das Stress und habe nicht selten gefährliche Situationen zur Folge. Der ADFC verweist auf vergleichbare Einkaufsstraßen in anderen deutschen Großstädten, wo in der Regel ausschließlich Straßenbahnen, Busse und Taxis zugelassen seien. Davon werde am Ende vor allem der Handel einen Nutzen haben. Der Stadtplaner und Mobilitätsforscher Tim Lehmann sagt dazu:

„Die Friedrichstraße bleibt weit hinter ihrem Potenzial zurück, hier wurden bereits in den neunziger Jahren die Weichen in der Stadtentwicklung falsch gestellt. Die meisten privaten Autos in der Friedrichstraße sind dem Parksuchverkehr oder Freizeitverkehr zuzuordnen, welche den Läden gar nicht zugutekommen.“

„Der Nutzen der Straße als Verkehrsverbindung ist gering“, ergänzt Philipp Poll, Landesgeschäftsführer des ADFC Berlin. „Wer heute schnell mit seinem Auto in Nord-Süd-Richtung durch die Innenstadt will, wählt eine der parallel verlaufenden Hauptstraßen. Der Nord-Süd-Tunnel bietet zudem eine schnelle S-Bahn-Verbindung. Wer trotzdem mit dem Auto in die Friedrichstraße will, fährt in der Regel in ein Parkhaus oder nimmt ein Taxi“, so Poll.

Nach Vorstellung des ADFC könnten durch einen Umbau an der Friedrichstraße breite, attraktive Gehwege mit Platz für Cafés entstehen, die auf einen Bummel entlang der Warenauslagen einladen. Gleichzeitig würde sich die Luft verbessern und weniger Lärm entstehen. Potenziellem Schleichverkehr will der Fahrradverband mit einfachen baulichen Änderungen wie Diagonalsperren Paroli bieten. Am Ende könnten sogar die Autofahrer von den Maßnahmen profitieren, so der ADFC. Einerseits würde der Verkehr durch die Entzerrung der Kreuzungen rund um die Friedrichstraße flüssiger werden und auf der anderen Seite wäre der Einkaufsboulevard nach wie vor auch für den motorisierten Individualverkehr gut erreichbar. Von den großen Magistralen wie der Leipziger Straße kämen Besucher auch weiterhin zügig in Parkhäuser, die ohnehin ausreichend freie Kapazitäten bieten.

Mönckebergstraße

Die Mönckebergstraße in Hamburg hält der Mobilitätsforscher Tim Lehmann für ein Paradebeispiel. Nur Busse, Taxen und Lieferverkehr dürfen die Einkaufsstraße passieren, auf der Tempo 25 km/h gilt. Nach diesem Vorbild könnte die Friedrichstraße umgebaut werden. Foto: Christian Linow

„Andere Städte machen es vor. Ein gutes Beispiel ist die Mönckebergstraße in Hamburg“, so Tim Lehmann, der sich als Stadtplaner viel mit Einzelhandelsentwicklung beschäftigt. „Durch eine attraktivere Gestaltung der Friedrichstraße können sich die Einzelhandelsumsätze dort verdoppeln.“

Aus den Reihen der Politik wiegelt man unterdessen ab. Gegenüber dem Tagesspiegel ließ die Vorsitzende des Fachausschusses Mobilität von der SPD, Sybille Uken, bereits durchblicken, dass man auch weiterhin daran festhalten wolle, Unter den Linden autofrei zu machen. cl


Jetzt abstimmen unter Twitter – Was soll autofrei werden? Unter den Linden, Friedrichstraße oder keine von beiden?

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