Mehr als doppelt so viele Radfahrer in Stuttgart

Die Stadt Stuttgart sieht sich in ihren Bemühungen bestätigt: Teilweise gibt es eine Verdoppelung des Radfahranteils. Foto: Christian Linow



Stuttgart – Das Land Baden-Württemberg hat seinen 1. Bericht zur Wirkungskontrolle der Radverkehrsförderung vorgelegt. Der Bericht basiert auf einer Untersuchung im Zeitraum von 2009 bis 2014. Die Wirkungskontrolle wurde 2009 als Instrument zur Analyse und Bewertung der Radverkehrsförderung eingeführt. 2014 wurde die erste Nachher-Messung vorgenommen, die mit erneuten Befragungen, Zählungen und Befahrungen durch einen unabhängigen Gutachter erste Vergleichswerte liefert.

Für die Wirkungskontrolle wurden Städte und Landkreise ausgewählt, die sich hinsichtlich Größe, Lage und Ausgangsbedingungen unterscheiden. In Stuttgart wurden Teststrecken vor allem auf den Hauptradrouten in den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Vaihingen, Möhringen, West, Sillenbuch und in der Innenstadt ausgesucht.

Der Ausbau der Hauptradrouten und die Öffnung zahlreicher Einbahnstraßen für Radfahrer wurden ebenso positiv bewertet wie die Umgestaltung von Kreuzungen und die Wegweisung. Das Stuttgarter Radforum, ein Gremium, das allen Radinteressierten offensteht und sich für den Radverkehr stark macht, wurde im Bericht ebenso lobend erwähnt wie die Fahrradaktionstage, die im nächsten Jahr bereits zum zwölften Mal stattfinden.
Der Bürgermeister für Städtebau und Umwelt, Peter Pätzold, freut sich über die gute Bewertung. „Wir haben schon viele Fortschritte in der Fahrradförderung gemacht und waren in den letzten zwei Jahren weiter aktiv, was den Ausbau der Hauptradrouten, die Verbesserung der Radabstellanlagen oder die Fahrradwegweisung angeht. Wir arbeiten weiter mit großem Engagement an unserem Ziel, ‚Fahrradfreundliche Kommune‘ zu werden“, sagt er.

Besonders hervorzuheben ist der steigende Anteil der Fahrradfahrer in der Landeshauptstadt. So wurde an ausgewählten Zählstellen im Untersuchungszeitraum teilweise mehr als eine Verdoppelung der Fahrradnutzung festgestellt. An der König-Karls-Brücke in Bad Cannstatt wurden mehr als 3.000 Radfahrer am Tag gezählt. Bei der inzwischen eingerichteten Dauerzählstelle an derselben Stelle wurden 2016 an Spitzentagen mehr als 5.000 Radler erfasst, die diesen Aufwärtstrend bestätigen. Trotz der Steigerung liegen die Unfallzahlen mit Radfahrern in Stuttgart unter dem Landesdurchschnitt.
Eine tendenziell positivere Grundstimmung zum Thema Radfahren bescheinigen die Stuttgarter auch bei der Telefonbefragung, die von den Gutachtern durchgeführt wurde. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) lobte die Landeshauptstadt beim Fahrradklimatest 2014 als „Aufholer“ und zeichnete sie für die erreichten Verbesserungen aus.

Claus Köhnlein, Fahrradbeauftragter der Stadt, erklärt: „Mittlerweile zeigen die Anstrengungen in der Fahrradförderung nachweislich ihre Wirkung. Die verzeichnete Zunahme des Radverkehrs und die positive Qualitätsbewertung durch die nun vorliegende Wirkungskontrolle unterstreichen, dass sich ein langer Atem lohnt. Dies spornt an und zeigt, dass die Stuttgarter Radverkehrsförderung trotz vieler Widerstände auf dem richtigen Weg ist.“

Neben Ausdauer und langem Atem sind die administrativen Rahmenbedingungen und die Höhe der Haushaltsmittel für den Fahrradverkehr ein wesentlicher Faktor und Indikator für dessen Stellenwert in den Kommunen. In der Landeshauptstadt lag der Rad-Etat 2005 noch bei 380.000 Euro, für das Jahr 2016 beträgt er 2,9 Millionen Euro. red/Pressemitteilung Stadt Stuttgart

Advertisements

Ein Gedanke zu “Mehr als doppelt so viele Radfahrer in Stuttgart

  1. Als Stuttgarter Radfahrer kann ich mir nicht vorstellen, daß die von der Stadt genannten Maßnahmen die Zahl der Radfahrer erhöht hat. Im Gegenteil. Was man die letzten zwei Jahre erleben musste im Bau verkorkster Radverkehrsanlagen (Radstreifen in einer Fahrradstraße? WTF?), unvermittelte Sperrung von Hauptradrouten, nicht reagieren auf immer massiver werdendes Falschparkerproblem, Gängelung von Radfahrern durch Ordnungsamt und Polizei (Fahrradstaffeln, Verweis auf Radfahrern auf Gehwege, die maximal freigegeben sind, etc.), dann kann man sich nur wundern daß es mehr Radfahrer geben soll. Aber auch der Anschein, wenn man durch die Stadt fährt, spricht für eine Erhöhung.

    Aber woran liegt das? Vermutlich ist die Erklärung ganz einfach: Öffentlichkeitsarbeit. In den Stuttgarter Medien wird verstärkt über Radfahrer-Themen berichtet, man sieht ganz einfach mehr. Und es gibt solche Veranstaltungen wie das jährlich Sattelfest, auch wenn die Themen zwiespätzlig(*) gesehen werden. Das alleine reicht in meinen Augen, zusammen mit der Verbreitung von Pedelecs, daß der Anteil der Radfahrer im Verkehr steigt. Deckt sich auch mit entsprechenden Aktionen in anderen Städten. Alleine durch öffentlichkeitswirksame Maßnahmen kann der Radverkehrsanteil gesteigert werden. Die Anlage von Radfahrergefährdungsanlagen wie beispielsweise solchen Radstreifen wie in der Theodor-Heuss-Straße braucht es da gar nicht mehr.

    (*) War ein Tippfehler, aber gerade für Stuttgart ist der zu gut zum korrigieren 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s