Fahrradfahren in deutschen Städten: Ein frustrierendes Suchspiel

Fahrradfahren in der Stadt

Radfahren in Deutschland darf keine Frage des Alters sein. Quelle/Rechte: Westrich/ADFC

Goslar/Berlin – Heute beginnt in Goslar der Verkehrsgerichtstag. Es geht unter anderem um die Sicherheit des Radverkehrs. Angesichts steigender Unfallzahlen bei älteren Radfahrerinnen und Radfahrern fordert der ADFC den bundesweiten Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur, verpflichtende Fahrassistenzsysteme für Lkw sowie Pkw und besondere Rücksicht auf Senioren im Straßenverkehr.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt:

„Die lückenhafte Fahrrad-Infrastruktur und der ungebremste Autoverkehr in Deutschland sind schon für topfitte Radfahrer eine Zumutung. Für Ungeübte und Ältere werden sie schnell zur Gefahr. Wir brauchen mehr Platz für den Radverkehr – und zwar zulasten des Autoverkehrs, damit endlich durchgängige, breite und komfortable Radwegenetze angelegt werden können. Auch die wachsende Generation 70plus hat ein Recht darauf, als Fahrrad- oder Pedelecfahrer sicher unterwegs zu sein. Es kann nicht sein, dass wir diesen Menschen sagen müssen: Steigt am besten ins Auto, dort seid ihr sicher!“

Intuitiv verständliche Infrastruktur

Während für Autofahrer fast immer problemlos zu erkennen ist, wo gefahren werden muss, finden Radfahrer oft chaotische, unverständliche Zustände vor: buckelige Bordsteinradwege mit oder ohne Benutzungspflicht, konfliktträchtige gemeinsame Geh- und Radwege, irritierende linksseitige oder Zweirichtungsradwege, zugeparkte Radfahr- und Schutzstreifen oder auch gänzliche fehlende Infrastruktur – und an jeder Kreuzung ändert sich das System. Stork:

„Fahrradfahren in deutschen Städten ist ein frustrierendes Suchspiel. Radfahrer wissen nicht, wohin sie gehören – und Autofahrer wissen nicht, wo sie mit Radfahrern rechnen müssen. Wir brauchen ein intuitiv verständliches, durchgängiges Radverkehrssystem mit großzügigen Abmessungen, das dem wachsenden Radverkehr gerecht wird.“

Verpflichtende Fahrassistenzsysteme für Lkw und Pkw

Häufigste Unfallkonstellation sind Kollisionen mit abbiegenden Kraftfahrzeugen unter Missachtung der Vorfahrt des Radfahrers. Deshalb müssen nach Ansicht des ADFC elektronische Assistenz-Systeme – Abbiegeassistent, Notbremsassistent und andere – die Gefahr, die von Kraftfahrzeug-Führern ausgeht, minimieren. Die Unfallforschung der Versicherer hat ermittelt, dass 60 Prozent der schweren Lkw-Fahrrad-Unfälle durch entsprechende Assistenzsysteme verhindert werden können. Stork: „Solche Sicherheitssysteme gibt es bereits marktreif, sie müssen aber auf EU-Ebene verbindlich gemacht werden, sonst werden sie aus Kostengründen einfach eingespart!“

Besondere Rücksicht auf Senioren

Der ADFC fordert außerdem, dass Senioren im Straßenverkehr deutlich mehr Rücksicht entgegengebracht wird. Stork dazu: „Gott sei Dank verhalten sich die meisten Autofahrer gegenüber Kindern bereits rücksichtsvoll, bremsen ab, rechnen mit Unvorhersehbarkeiten. Dieselbe Rücksicht brauchen wir auch gegenüber Senioren! Auch bei Älteren muss man mit Fehlverhalten rechnen, ihre Beweglichkeit nimmt ab, das Richtungshören funktioniert nicht mehr so gut. Polizei und Gerichte müssen rücksichtsloses Verhalten gegenüber Älteren genauso stark sanktionieren, wie gegenüber Kindern.“

Radfahren in Zahlen

50 Millionen Bundesbürger fahren Fahrrad, etwa 11 Millionen davon täglich. Etwa 10 Prozent der Wege werden mit dem Rad zurückgelegt. Politisch erwünscht ist, das Fahrradfahren noch deutlich attraktiver zu machen – denn es hält fit und wirkt Verkehrs- und Klimaproblemen entgegen. Aber: Im Durchschnitt stirbt jeden Tag in Deutschland ein Radfahrer, alle sieben Minuten wird einer verletzt (2015: 383 getötete, 77.793 verletzte Radfahrer). Bei den Kollisionen mit Kraftfahrzeugen ist in 75 Prozent der Fälle der Autofahrer Schuld, bei den Lkws sind es sogar 80 Prozent. Zwischen 1991 und 2015 ist die Zahl der über 65-jährigen verunglückten Radfahrer von 6.585 auf 13.685 gestiegen. Weil immer mehr Ältere mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs sind, ist eine weitere Zunahme zu befürchten. Quellen: Sinus Fahrradmonitor 2015, BMVI Radverkehr in Deutschland, Destatis Kraft- und Fahrradunfälle im Straßenverkehr 2015.

Pressemitteilung ADFC

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ADFC prüft Rechtsgutachten zum Volksentscheid Fahrrad 

Der Gesetzentwurf des Volksentscheid Fahrrad ist laut einem Rechtsgutachten des Senats in vielen Punkten juristisch nicht haltbar. Illustration auf Grundlage von Logo des Netzwerks Lebenswerte Stadt e.V.: Redaktion RadfahrInfo

Berlin – Nach der Veröffentlichung des Rechtsgutachtens zum Volksentscheid Fahrrad hat der ADFC eine juristische Prüfung der Analyse angekündigt. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Teile des Radgesetzes nicht in die Gesetzgebungskompetenz des Landes Berlin fallen oder nicht mit Vorgaben der Straßenverkehrs-Ordnung vereinbar sind (RadfahrInfo berichtete). Ziel sei es nun, bis zum voraussichtlichen Start der Verhandlungen Anfang Februar die kritischen Punkte zu prüfen und, falls notwendig, mögliche Lösungen zu erarbeiten.

Am 10. Januar hatten Radverkehrs-, Mobilitäts- und Umweltverbände beschlossen, dass ein gemeinsames Team aus Volksentscheid Fahrrad und ADFC Berlin die Verhandlungen über das Radgesetz mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz führen wird. In ihrer Koalitionsvereinbarung hatten die Regierungsparteien zuvor festgehalten, wesentliche Forderungen des ADFC Berlin und des Volksentscheids Fahrrad umsetzen und dafür noch im Frühjahr ein Radverkehrsgesetz auf den Weg bringen zu wollen. Eva-Maria Scheel, Landesvorsitzende des ADFC Berlin, lobt:

„Noch nie hat sich eine Berliner Regierung so klar zu Radverkehr und nachhaltiger Mobilität bekannt. Jetzt gilt es, die guten Vorhaben aus der Koalitionsvereinbarung in die Tat umzusetzen. Dabei wird der ADFC Berlin den Senat und die Bezirke begleiten und konstruktiv an einer zeitnahen Umsetzung mitarbeiten. Wir blicken gespannt und guten Mutes auf die bevorstehenden Gespräche und auf eine Legislaturperiode, die ganz im Zeichen der Mobilitätswende steht. Berlin hat jetzt die Chance, als Vorbild für die lebenswerte Stadt voranzuschreiten.“

Weitere wichtige Schritte des Senats werden sein, ein Bündnis für den Radverkehr mit den Bezirken und anderen Akteuren zu schließen und eine Velo-GmbH zur zentralen Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen zu gründen. Auch dies waren zentrale Forderungen des ADFC vor den Abgeordnetenhauswahlen. red

Volksentscheid Fahrrad: Geisel-Gutachten ist Klientelpolitik auf dem Rücken Radfahrender

Volksentscheid Fahrrad, Beginn der Unterschriftensammlung

Beginn der Unterschriftensammlung des Volksentscheids Fahrrad. Foto: Volksentscheid Fahrrad, Norbert Michalke

Berlin – Vor dem Hintergrund der veröffentlichten Zulässigkeitsprüfung zum Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin (RadfahrInfo berichtete) hat sich nun der Volksentscheid Fahrrad zu Wort gemeldet. Anders als es die Zusammenfassung des Gutachtens nahelegen könnte, sieht die Initiative das so genannte Radgesetz nicht als gescheitert an. In einer Erklärung heißt es dazu wörtlich:

„Der Prüfungsauftrag kommt zu keinem negativen Ergebnis bei den Paragraphen 1 – 3 und 10 – 21. Damit ist der Löwenanteil des RadGesetzes unbeanstandet und unkompliziert machbar.“

Darüber hinaus seien auch die von der Rechtsanwaltssozietät Redeker, Sellner, Dahs monierten Paragraphen zur Einrichtung von Fahrradstraßen, der pauschalen Öffnung von Einbahnstraßen und einer grünen Welle für den Radverkehr inhaltlich alles andere als nicht umsetzbar. Wenn hier nun eine rechtliche Ausgestaltung über das Straßenverkehrsrecht kritisch gesehen würde, über das Straßenrecht jedoch nicht, könnten bauliche, allerdings zum Teil teurere Maßnahmen dennoch verordnet werden. Kerstin Stark vom Volksentscheid Fahrrad sagt dazu:

„Wir haben nichts dagegen, Fahrradstraßen und Radwege auch mit smarten baulichen Maßnahmen wie Pollern und Baggern anzulegen. Unser Ansatz, unterstützt von 100.000 Menschen aus Berlin, war aber, angemessen, preisgünstig und kurzfristig für den Radverkehr zu sorgen: Wir hätten konstruktive Verbesserungsvorschläge für unser Gesetz erwartet statt eines Prüfauftrags an teure Juristen, der Herrn Geisels Untätigkeit schützt.“

Stark hält das „Geisel-Gutachten“ für Klientelpolitik, „die sich ebenso gegen den Radverkehr wie die staugeplagten Pendelnden richtet.“ Umso mehr sieht Michael Schulte vom Volksentscheid Fahrrad jetzt die Verkehrssenatorin Regine Günther und ihren Staatssekretär Jens-Holger Kirchner in der Pflicht, „für Verbindlichkeit zu sorgen.“

Eine allgemeine Kritik übt die Interessenvertretung an der Grundlage, auf die sich die Expertise stützt:

„Im Gutachten ist das RadGesetz ausschließlich gegen das Straßenverkehrsrecht geprüft worden, das seine Wurzeln in der Reichsstraßenverordnung hat, die politisch den boomenden Autoverkehr protegierte.“


 

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Heinrich Strößenreuther Foto: Volksentscheid Fahrrad/Norbert Michalke

RadfahrInfo hatte die Möglichkeit, mit dem Initiator des Volksentscheids Fahrrad, Heinrich Strößenreuther, ein Interview zum Thema zu führen.

Herr Strößenreuther, die Rechtsanwaltssozietät Redeker, Sellner, Dahs hält Ihren Gesetzentwurf in großen Teilen für nicht umsetzbar, weil es der Kanzlei zufolge dem Land an legislativer Kompetenz mangele. Teilen Sie diese Einschätzung?

Große Teile sind nicht beanstandet worden, tatsächlich bezieht es sich nur auf 27% aller Paragraphen.

Haben Sie Ihren Vorstoß denn keiner rechtlichen Evaluation im Vorwege unterzogen? Und wäre möglicherweise weniger mehr gewesen, indem man den Senat anstelle eines Gesetzentwurfs beispielsweise durch eine Petition zum Handeln bewegt hätte?

Das haben wir gemacht und waren mit unseren Juristen, u. a. Bundesanwalt vom ADFC, zu einer machbaren Einschätzung gekommen – bei Goodwill.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir sind guter Dinge, dass sich alles kurieren lässt, in einer Verhandlungslösung, notfalls mit einem neuen Anlauf.

Sehen Sie in dem Gutachten eine Niederlage, deren Flurschaden sich möglicherweise komplett auf den Fahrradaktionismus ausweiten und die positive Stimmung in der Bevölkerung beeinträchtigen könnte?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Erwartungsdruck an die Politik wird noch größer, wenn hier mit vorsätzlich eingeschränkten Negativ-Prüfaufträgen gehandhabt wird.

Wäre es möglicherweise geschickter gewesen, mit Bildung der neuen rot-rot-grünen Koalition eher auf eine Kooperation mit dem Senat zu setzen?

Erst mal war die nicht da, wäre möglicherweise ohne uns auch nicht zustande gekommen. Wir haben den politischen Willen hergestellt, etwas zu tun. Wir steigen jetzt in die Verhandlung ein.

Wird es Ihrerseits Anstrengungen auch auf bundespolitischer Ebene geben, Ihre Forderungen im Straßenverkehrsrecht zu etablieren?

Wir fordern den Senat auf, dass über den Bundesrat tun. Wir haben noch alle Hände voll zu tun, hier in Berlin für eine umumkehrbare Neuausrichtung per Gesetz zu sorgen.

Wenn Sie zurückblicken: Was hat der Volksentscheid Fahrrad bis jetzt erreicht?

Wir haben die Verkehrswende von unten hinbekommen, die jetzt durch Politik und Verwaltung umgesetzt wird. Wir haben deutschland- und weltweit ein Vorbild gesetzt, was geht.

Vielen Dank!

cl

Mecklenburg-Vorpommern fördert Bau des Radweges von Picher bis Strohkirchen

Ludwigslust/Parchim – Der Landkreis Ludwigslust-Parchim erhält vom Land Mecklenburg-Vorpommern für den Neubau eines straßenbegleitenden Radweges an der Kreisstraße 22 vom Ortsausgang Picher bis nach Strohkirchen Fördermittel in Höhe von rund 630.000 Euro (Förderung 75 Prozent). Die Gesamtkosten liegen bei rund 930.000 Euro.

Die Mittel werden gemäß der Richtlinie über die Mitfinanzierung der Investitionen in den Bau von Radwegen in kommunaler Baulast des Landes Mecklenburg-Vorpommern (Kommunale Radbaurichtlinie – KommRadbauRL M-V) in Verbindung mit Mitteln des „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) gewährt.

Der Bau des 4.475 Meter langen Radweges erfolgt in zwei Bauabschnitten. Durch den neuen Radweg wird ein Unfallschwerpunkt beseitigt und die Verkehrssicherheit – vor allem für den Schülerverkehr im Einzugsgebiet des Schulstandortes Picher – erhöht. Außerdem ist der Radweg Bestandteil des Regionalen Radwanderkonzeptes Westmecklenburg und hat damit zusätzlich Bedeutung für den Tourismus. Pressemitteilung Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung

168 Bike-and-Ride-Plätze mit Lademöglichkeit für Pedelecs in Büchen

Büchen – Verkehrsminister Reinhard Meyer hat am 18. Januar dem Büchener Bürgermeister Uwe Möller die Förderzusage des Landes für die Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes in Büchen überbracht. Rund 5,2 Millionen Euro stellt das Land zur Verfügung, damit die Gemeinde neue Bike-and-Ride- und Park-and-Ride-Plätze und eine bessere Busverknüpfung schaffen kann. Insgesamt kosten die Baumaßnahmen für die „Mobilitätsdrehscheibe“ Büchen etwa acht Millionen Euro. Baubeginn soll noch in diesem Jahr sein. Die jetzt geplanten Maßnahmen ergänzen das bereits begonnene Projekt an der Lauenburger Straße.

Im Einzelnen entstehen laut Meyer auf der Bahnhofseite Bahnhofstraße/Ladestraße 168 überdachte Bike-and-Ride-Stellplätze, davon 35 in einer Sammelschließanlage mit Schließfächern und Lademöglichkeiten für Pedelecs. Die moderne Park-and-Ride-Anlage auf der Ladestraße wird rund 500 Park-and-Ride-Stellplätze inklusive mehrerer Behindertenstellplätze und gesonderter Stellplätze mit Ladeinfrastruktur für Elektroautos umfassen. Auf Ebene der Bahnhofstraße werden ein Kiss-and-Ride-Parkstreifen für Bringer und Abholer sowie mehrere Taxi-Stellplätze eingerichtet. Die Aufenthalts- und Nutzungsqualität wird durch einen attraktiven, barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen und das Angebot eines kostenfreien WLAN weiter verbessert. Derzeit ist die Gemeinde Büchen zudem im Gespräch mit weiteren externen Serviceanbietern, um das Angebot noch attraktiver zu machen. Mit den Angeboten zur intermodalen Mobilität könnten etwa auch weitere Serviceangebote wie eine Packstation oder Einkaufsboxen verknüpft werden.

Meyer: „Büchen ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Nahverkehr im Land. Wir freuen uns über das Engagement der Gemeinde und unterstützen das Projekt ‚Mobilitätsdrehscheibe‘ natürlich gerne. Besonders freut mich, dass die Gemeinde hier auch neue Wege beschreitet und über den Nahverkehr hinausgehende Dienstleistungen anbieten will.“ Täglich nutzen über 4.000 Fahrgäste den Bahnhof Büchen. In Büchen halten die Züge der Bahnlinien RE 1, RB 11 und RE 83. red

Berlins Radgesetz teilweise rechtswidrig

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Der Gesetzentwurf des Volksentscheid Fahrrad ist laut einem Rechtsgutachten des Senats in vielen Punkten juristisch nicht haltbar. Illustration auf Grundlage von Logo des Netzwerks Lebenswerte Stadt e.V.: Redaktion RadfahrInfo

Berlin – Um den Gesetzentwurf des Volksentscheids Fahrrad auf Zulässigkeit zu prüfen, hatte die damalige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt von der dafür zuständigen Senatsverwaltung für Inneres und Sport eine fachrechtliche Sondierung erbeten.

Das Ergebnis der Rechtsanwaltssozietät Redeker, Sellner, Dahs wurde bereits im Oktober des vergangenen Jahres übermittelt und steht ab sofort als Download zur Verfügung.

Aus der Zusammenfassung der Anwälte wird unterdessen deutlich, dass das vom Netzwerk Lebenswerte Stadt e. V. vorgeschlagene Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin zumindest in großen Teilen rechtlich nicht umsetzbar ist. Wörtlich heißt es in dem Papier:

„Die §§ 4 bis 9 RadG enthalten ganz überwiegend straßenverkehrsrechtliche Regelun­gen. Eine geltungserhaltende Umdeutung in straßenrechtliche Regelungen ist unzuläs­sig. Etwas anderes gilt für die § 6 Abs. 1, 3, 4 und 5, § 7 Abs. 1 bis 4 und § 8 Abs. 1, 2, 4 und 5 RadG. Hierbei handelt es sich um straßenrechtliche Regelungen, für die das Land Berlin die Gesetzgebungskompetenz hat.“

Eine Absage erteilt das Dossier damit der verpflichtenden Einrichtung von Fahrradstraßen, der pauschalen Öffnung von Einbahnstraßen und einer grünen Welle für den Radverkehr. Ebenfalls scheitert den Gutachtern zufolge eine gesetzlich verankerte Mitbenutzung von Busspuren. Größtenteils keine Schwierigkeiten sehen die Juristen beim Bau von Radschnellwegen und sicheren Radverkehrsanlagen an Hauptstraßen sowie in der Umgestaltung von neuralgischen Knotenpunkten.

Maßgeblich für die Entscheidung, ob das Radgesetz in unzulässiger Weise gegen Bundesrecht verstößt, war die Frage, inwiefern die Maßnahmen als straßenrechtliche oder straßenverkehrsrechtliche Eingriffe zu werten sind. Während straßenrechtliche Vorschriften – also Regelungen, die dem Bereitstellen des Weges dienen – durch die Länder erlassen werden können, obliegt die Hoheit über straßenverkehrsrechtliche Statuten ausschließlich dem Bund. Denn er soll durch das Straßenverkehrsrecht die polizeilichen Voraussetzungen für einen sicheren und flüssigen Verkehr schaffen. cl

Diskutieren Sie über das Thema in unserem RadfahrInfo-Forum!

Gleimtunnel: Zur Wiedereröffnung Tempo 30 und langfristig eine Fahrradstraße

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Nach den heftigen Regenfällen im Juli, die das Bauwerk unter Wasser gesetzt und parkende Autos zusammengeschoben hatten, musste der Gleimtunnel gesperrt werden. Jetzt steht seine Wiedereröffnung unmittelbar bevor. Foto/Rechte: Wikimedia Commons, Dieter Weißbach

Berlin – Bei einem Ortstermin am Gleimtunnel wurden heute letzte Maßnahmen vor der Wiedereröffnung des Tunnels besprochen. Auf Einladung von Staatssekretär Jens-Holger Kirchner nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Bezirksämter Mitte und Pankow, der Verkehrslenkung Berlin, der Oberen Straßenverkehrsbehörde, der Polizei, der Groth-Gruppe, des Straßenlaternenbetreibers Alliander Stadtlicht und Anwohnerinnen und Anwohner teil.

Verabredet wurde, dass der Tunnel Ende kommender Woche wieder geöffnet werden soll. Im Tunnel werden zusätzliche Leuchten angebracht, damit es insgesamt und insbesondere auf den Bürgersteigen heller und damit sicherer wird. Die Tempo-30-Zone wird bis zur Graunstraße erweitert, um so die Verkehrssicherheit für Radfahrende zu erhöhen. Das Parken im Tunnel ist weiter möglich. Auf der Weddinger Seite wird auf die Höhe des Rondells aus Kopfsteinpflaster mit einer zusätzlichen Markierung hingewiesen, um Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer zu vermeiden. Perspektivisch soll der Gleimtunnel in eine längere Fahrradstraße integriert werden. Staatssekretär Jens-Holger Kirchner sagt:

„Ich freue mich, dass nach den langen Monaten der Schließung der Gleimtunnel bald wieder eröffnet werden kann. Die Neugestaltung erhöht die Attraktivität des Straßenzuges für Radfahrerinnen und Radfahrer und ermöglicht ein sicheres Nebeneinander von Auto- und Fahrradverkehr“.

Der Gleimtunnel war nach heftigen Regenfällen im Juli gesperrt worden. Ausschließlich Radfahrende und zu Fuß Gehende durften das Bauwerk entlang der früheren innerdeutschen Grenze seither passieren.

Bis zum Abschluss der Arbeiten am Regenwasserkanal wird es am nordwestlichen Rand noch eine Baustelle geben, die entsprechend markiert wird. Pressemitteilung SenUVK

Frohes neues Jahr, Tempo 30 und ein Internetforum

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Frohes neues Jahr wünscht shaRAD Space – jetzt auch mit einem Internetforum für den Gedankenaustausch. Foto: shaRAD Space

Stuttgart – Zunächst einmal möchten wir uns bei Ihnen und Euch für den gelungenen Start von shaRAD Space im letzten Jahr bedanken und wünschen all unseren Leserinnen und Lesern ein frohes, gesundes, erfolgreiches und glückliches 2017, das schon jetzt um Veränderungen nicht verlegen ist:

Von nun an nämlich dürfen Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auch auf Gehwegen von einer mindestens 16 Jahre alten Aufsichtsperson begleitet werden. Unterdessen ist es ihnen ebenfalls gestattet, auch baulich von der Fahrbahn getrennte Radwege mitzubenutzen. Bis dato mussten jüngere Kinder ausschließlich auf den Bürgersteig ausweichen, der jedoch für die erwachsene Aufsichtspersonen tabu war.

Des Weiteren sind E-Bikes ab sofort mit Mofas gleichgestellt, wodurch sie künftig auch auf Radwegen außerhalb geschlossener Ortschaften unterwegs sein dürfen. E-Bikes sind nach Definition des Bundes Elektro-Leichtmofas bis 25 km/h, die sich genauso ohne Tretunterstützung selbständig fahren lassen und für die unter anderem Versicherungs- sowie Helmpflicht besteht. Herkömmliche Pedelecs mit einer Tretunterstützung bis 25 km/h fallen nicht unter die veränderten Vorschriften.

Eine der bedeutendsten Reformen aber dürfte wohl sein, dass die Hürden für das Anordnen von Tempo 30 auf innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen gesenkt wurden. Damit wird es fortan möglich sein, schneller eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen im Umfeld von Kindergärten, Kindertagesstätten, allgemeinbildenden Schulen, Förderschulen, Alten- und Pflegeheimen beziehungsweise Krankenhäusern zu erwirken. Verkehrsministern wie Michael Groschek aus Nordrhein-Westfalen fällt ein Stein vom Herzen:

„Nordrhein-Westfalen hat sich mit anderen Bundesländern im Bundesrat erfolgreich dafür eingesetzt, dass der Bund diese Verbesserungen einführt. Ich bin froh, dass der Bundesverkehrsminister als Herr über die Straßenverkehrsordnung schnell gehandelt hat und die StVO-Novelle jetzt bereits in Kraft ist.“

Derweil hat der Tatendrang auch shaRAD Space erfasst. Dem einen oder anderen mag das Detail vielleicht schon aufgefallen sein: RadfahrInfo ziert den Header. Dahinter steckt eine Kooperation mit dem Verkehrsmagazin BahnInfo. ShaRAD Space wird unter dem Themenkomplex RadfahrInfo künftig exklusiver Bestandteil des Online-Eisenbahnjournals. Gleichzeitig geht mit einem Diskussionsforum das erste gemeinsame Projekt an den Start.

Im RadfahrInfo-Forum, das man ebenso im Menü unter „Forum“ erreicht, kann nach einmaliger Registrierung über beliebige Themen rund um das Fahrrad nach Herzenslust kontrovers diskutiert und berichtet werden. Darüber hinaus stehen registrierten Nutzerinnen und Nutzern alle weiteren BahnInfo-Foren in vollem Umfang zur Verfügung.

In diesem Sinne wünscht RadfahrInfo allen viel Kraft in den Pedalen sowie Akkus und jede Menge Rückenwind! red/cl