Neue Radabstellplätze für Erkner

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Das direkte Umfeld des Bahnhofs Erkner wird umgebaut. Unter anderem entstehen neue Fahrradabstellplätze. Quelle/Rechte: Wikimedia Commons / Assenmacher

Erkner – Brandenburgs Verkehrsministerin Kathrin Schneider hat heute einen Förderbescheid in Höhe von 756.000 Euro aus dem kommunalen Infrastrukturprogramm für die partielle Umgestaltung des Bahnhofs Erkner übergeben. Damit wird der Bau von 32 neuen Radabstellplätzen, aber gleichzeitig ebenfalls 110 Parkplätzen für Autos unterstützt. Geplant ist außerdem, den  Busbahnhof barrierefrei umzubauen und weitere Haltemöglichkeiten für Busse einzurichten.

Ministerin Schneider hob hervor:

„Erkner ist ein Verkehrsknotenpunkt von großer regionaler Bedeutung. Mit den neuen Abstellplätzen und dem Umbau des Busbahnhofs wird der Umstieg vom Auto oder Rad auf die Bahn attraktiver. Insbesondere auch für Menschen mit Behinderung. Jede Investition ist auch eine Investition in die Barrierefreiheit.“

Die Bauvorhaben im Einzelnen:

  • Neubau von 32 Fahrradstellplätzen als Bike-and-Ride-Anlage nahe der Eisenbahnunterführung
  • Neubau von 110 Pkw-Stellplätzen als Park-and-Ride-Anlage
  • Beleuchtung für die Anlagen
  • Neubau der vorhandenen zwei Bushaltestellen zur Verbesserung der Barrierefreiheit
  • Einrichtung von weiteren, barrierefreien Warteflächen für die Fußgänger
  • Entwässerungsarbeiten

Die Errichtung eines elektronischen Fahrplananzeigesystems mit akustischen Signalen für Sehbehinderte. red

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Brandenburg stellt Radwege auf die Probe – und Berlin die Beziehungen

Potsdam – „Mit einem Anteil des Radverkehrs von 13% am Gesamtverkehrsaufkommen haben wir unter den Flächenländern einen guten Wert erreicht, den wir steigern wollen.“ Unter diesem Credo gab Verkehrsministerin Kathrin Schneider an der L 92 in Fahrland heute den Startschuss für die Zustandserfassung der Radwege an den Landesstraßen Brandenburgs. Zwischen 2013 und 2014 waren bereits die Bundesstraßen registriert worden.

Ministerin Schneider, die zu dem Termin standesgemäß mit dem Rad angereist war, betonte, dass der Radverkehr ein wichtiger Bestandteil ihrer Mobilitätsstrategie sei:

„Aber nur wenn die Radwege in gutem Zustand und sicher sind, werden wir mehr Menschen dazu bewegen können, mit dem Rad zu fahren. In diesem Jahr werden wir insgesamt 7 Mio. Euro für Neubau und Erhaltung von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen einsetzen.“

Diese Mittel scheinen indes dringend benötigt. Obschon 80% der 964 km Radwege an Bundesstraßen in einem guten bis sehr guten Zustand sind, belaufen sich die Investitionen zum Beheben der festgestellten Mängel auf etwa 6,5 Mio. Euro, wie Edgar Fiedler, Leiter der Interministeriellen Arbeitsgruppe (kurz: IMAG) Radverkehr, zu berichten weiß. Nicht ganz die Hälfte der Summe resultiert alleine daraus, dass die Maßnahmen nicht partiell durchgeführt werden können, weil stets ein größeres Baufeld zuzüglich etwaiger Zufahrten vonnöten ist.

Pflaster ist mörderisch

Allemal ist die Inventarisierung der Radwege durch den Bauingenieur Stefan Oertelt eine technische Meisterleistung. Er selbst hat das Messrad entwickelt, konstruiert und im Laufe der Jahre immer weiter optimiert. Das handelsübliche Pedelec sorgt mithilfe des Elektromotors für eine gleichbleibende Geschwindigkeit von 25 km/h, während eine am Lenker montierte Kamera je gefahrenen Meter ein Bild vom Boden schießt und Sensoren die vertikale Schwingbeschleunigung aufzeichnen. Ihr schenkt Oertelt besondere Aufmerksamkeit. Er verweist auf Arbeitsmediziner, die bei dem Thema sensibilisiert aufhorchen, sowie die in Regelwerken einschlägig verankerten Tageshöchstdosen. Mit Kopfschütteln reagiert er daher auf gepflasterte Radwege. Die mögen zwar schön aussehen, die beste Qualität in puncto Laufruhe liefere aber Asphalt. Seine Messergebnisse decken sich hierbei gleichfalls mit seinen Beobachtungen. Während Rennradfahrer gewöhnlich separate Radwege mieden und die Straße präferierten, sei es auf den Flaeming-Skates genau umgekehrt. Ein anderes Beispiel erzählt von einer älteren Dame, die auf einem an sich exzellent asphaltierten Radweg im Zentrum Potsdams unterwegs gewesen sei. Einziges Manko: Jede querende Ausfahrt habe das Dahingleiten ob Kopfsteinpflaster jäh unterbrochen und die Einkäufe der Frau aus ihrem Korb herauskatapultiert. Mit entrüsteter Stimme fragt Oertelt: „Wer macht so was?!“ Und er konstatiert kühl: „Pflaster ist mörderisch. Nach zwei bis drei Stunden schlafen ihnen die Hände ein.“

Schließlich ist der Bauingenieur vom Ammersee ein Profi. Seit den 1990ern befasst er sich mit der Zustandserfassung von Straßen sowie Radwegen und hat in der Vergangenheit schon zahlreiche Bundesländer beradelt. Von vornherein habe bei seinem Messrad Low-Cost im Vordergrund gestanden, um den Kommunen die Investitionen darin zu erleichtern. Auf 500,- Euro taxiert er den Wert seiner Instrumente, die er mit Materialien aus dem Baumarkt am Fahrrad fixiert hat. Nach einem 100 km langen Pilotversuch in Schleswig-Holstein war Oertelt letztes Jahr in Rheinland-Pfalz auf Achse. Dort vermaß er auf einer Länge von 900 km die touristisch relevanten Strecken entlang der Flüsse. Demgegenüber, so Oertelt, stehe Brandenburg qualitativ deutlich besser da. In Rheinland-Pfalz seien mitunter Strecken als Radwege ausgewiesen, auf denen bloßer Eisenbahnschotter liege. „Da können sie gleich absteigen vom Rad. Mit Fahren ist da nichts.“

Berlin macht seinen eigenen Stiefel

Generell wirkt die Landespolitik sehr bemüht beim Thema Fahrradverkehr. Der insgesamt durchweg gute Zustand der Radwege ist sicherlich nur ein Beispiel. Immerhin wurden entlang der Bundesstraßen lediglich 12% als schlecht bis sehr schlecht bewertet. Derweil umfasst das touristisch vermarktete Netz der Fernradrouten laut Landes-Fahrradbericht 7.000 km, womit Brandenburg im Vergleich zu anderen Bundesländern Radfahrenden sehr gute Bedingungen liefert.

Edgar Fiedler gibt sich ebenso zuversichtlich und meint, dass man im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung neben der Erhaltung dank Radverkehrsstrategien natürlich auch den Neubau auf der Agenda habe. Dennoch erleidet die Stimmung bei aller Euphorie spätestens dann einen empfindlichen Dämpfer, wenn Berlin zur Sprache kommt. Eine Kooperation mit dem Nachbarn wäre vor dem Hintergrund der jüngsten Vorstöße zu einem Radschnellweg zwischen der Bundeshauptstadt und Potsdam sicherlich richtig. Doch weit gefehlt. Um die Kontakte mit Berlin scheint es nicht ganz so gut bestellt. „Die wollen ihren eigenen Stiefel machen“, bilanziert Fiedler mit leicht resignativem Timbre. cl

Die Zustandserfassung der Radwege an Bundesstraßen 2013/2014 hatte folgendes Ergebnis:

 

  • sehr gut (< 1,5)                                          = 60   %
  • gut (1,5 bis < 2,5)                                      = 20,2 %
  • ausreichend (2,5 bis < 3,5)                    =  8,1  %
  • schlecht (3,5 bis < 4,5)                           =  4,9  %
  • sehr schlecht (4,5 und schlechter)    =  6,8  %

 

Radwegenetz

 

  • Länge der Radwege an Bundesstraßen:                   964 km
  • Länge der Radwege an Landesstraßen:                 1.037 km
  • Länge der Radwege an Kreisstraßen:                        334 km

 

Grenzenloses Fahrradfahren

Potsdam/Berlin – Unter dem Tenor „Kooperation ohne Grenzen“ hat der Ausschuss für Raumordnung der Deutsch-Polnischen Regierungskommission für regionale und grenznahe Zusammenarbeit (kurz: Deutsch-Polnischer Raumordnungsausschuss) auf Basis eines Beschlusses aus dem Jahre 2014 seinen Entwurf für ein „Gemeinsames Zukunftskonzept 2030 für den deutsch-polnischen Verflechtungsraum“ vorgestellt.

„Schon heute siedeln Bürgerinnen und Bürger aus Polen und Deutschland auf der jeweils  anderen Seite der Grenze, genauso wie Wirtschaftsunternehmen, die in beiden Ländern Niederlassungen haben. Unser Ziel ist, die gemeinsamen Potentiale entlang der Transeuropäischen Verkehrskorridore stärker als bislang zu nutzen und die Vernetzung der Regionen voranzutreiben. Dafür braucht es einen Rahmen, der mit dem Vorschlag für das deutsche-polnische Zukunftskonzept entwickelt worden ist und nun zur Diskussion steht“, sagte Brandenburgs Landesplanungsministerin Kathrin Schneider.

Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel betonte die Wichtigkeit des Konzepts: „Gerade in diesen Zeiten brauchen wir eine starke europäische Idee in unseren Planungen. Berlin, Brandenburg und die Wojewodschaften müssen sich als gemeinsamen Raum begreifen, ohne die jeweiligen Eigenheiten unter den Tisch fallen zu lassen.  Im Vordergrund stehen hier immer die Menschen. Ihre Ideen, Vorstellungen und Anmerkungen sind wichtig für das gemeinsame Gelingen. Deswegen rufe ich alle auf, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.“

Ein guter Vorstoß, der sich auch dazu eignen dürfte, das Thema Fahrrad in das Konzept einzubauen. Denn in den Leitlinien der Vision sucht man bislang vergebens nach grenzüberschreitenden Radschnellwegen oder globalen Bike-Sharing-Systemen. Hier gäbe es sicherlich Bedarf und in Korrelation zu dem jüngsten Vorstoß durch den Bundesverkehrswegeplan ist ein finanziell wichtiges Instrument auf den Weg gebracht. cl