RadKULTUR rollt an

Stuttgart/Heilbronn – Mit einem bunten Strauß unterschiedlichster Programme starten die Städte Herrenberg und Singen (Hohentwiel) sowie der Landkreis Heilbronn ihre Events rund um die vom Land im Jahre 2012 ins Leben gerufene Initiative RadKULTUR. Auf spielerische und genussvolle Weise soll so den Menschen Lust aufs Radfahren gemacht und das Mobilitätsverhalten nachhaltig verändert werden.

Mit der Förderung des Ministeriums setzen die drei RadKULTUR-Kommunen jeweils zwei RadKULTUR-Aktionen um. Beispielsweise richten alle drei so genannte radfahrerfreundlich gelegene RadSERVICE-Punkte ein.

An diesen Pump- und Reparaturstationen wird Radfahrenden die Möglichkeit geboten, kleinere Pannen auch unterwegs selbst schnell und kostenfrei zu reparieren. Herrenberg und der Landkreis Heilbronn warten in diesem Herbst darüber hinaus mit einem Fotowettbewerb unter dem Tenor RadSTAR auf, bei dem Bürgerinnen und Bürger gesucht werden, die als „Gesichter der RadKULTUR“ diese vor Ort repräsentieren. Singen ruft am 16. Oktober mit einer RadSCHNITZELJAGD zu einer Entdeckungstour durch die Südstadt auf.

Und im Landkreis Heilbronn sowie in Herrenberg gibt es mit dem MidnightRIDE ein ganz besonderes Highlight, das Teil einer gemeinsam mit dem Radiosender Antenne 1 durchgeführten landesweiten RadKULTUR-Veranstaltungsreihe ist. Der MidnightRIDE findet am 23. September 2016 in Herrenberg und am 08. Oktober 2016 in Neckarsulm (Landkreis Heilbronn) statt.

Winfried Hermann MdL, Minister für Verkehr, begrüßt die Aktivitäten vor Ort: „Gemeinsam mit immer mehr Kommunen machen wir uns für eine fahrradfreundliche Mobilitätskultur im Land stark. Dazu gehört, dass wir neben Radverkehrsinfrastruktur auch in Fahrradkommunikation investieren. Ziel ist es, noch mehr Menschen fürs Radfahren zu begeistern. Ich freue mich, dass Herrenberg, Singen und der Landkreis Heilbronn in diesem Jahr mit dabei sind.“ cl

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Nicht mehr rüpelhafte, sondern einfach mehr Radfahrer – ADFC kontert Kritik des Ordnungsamtes

Heilbronn – Anfang der Woche gab die Stadt Heilbronn unter der Rubrik „Aktuelle Meldungen“ einen Appell mit dem Tenor „Sicher mit dem Rad unterwegs“ heraus, in der die Rede von einem signifikanten Anstieg über regelwidrig auffallende Radfahrer ist. Es heißt wörtlich:

„Radfahren wird als umweltfreundliches Verkehrsmittel von der Stadt Heilbronn gefördert und auf vielfältige Weise unterstützt. In den letzten Wochen mehren sich bei der Stadtverwaltung allerdings Beschwerden über verkehrswidriges Verhalten von Radfahrern. Das Ordnungsamt nimmt dies zum Anlass, auf einige Verkehrsregeln hinzuweisen. ‚Im Interesse der eigenen Sicherheit, aber auch der Sicherheit Dritter sollte man die Verkehrssicherheit des Rads regelmäßig kontrollieren und sich strikt an die Verkehrsregeln halten‘, appelliert Ordnungsamtsleiter Bernd Werner.“

Ferner werden der Mitteilung zufolge vor allem Fahrradfahrer festgestellt, die im Bereich der Heilbronner Fußgängerzonen mit überhöhter Geschwindigkeit, nachts ohne Licht unterwegs seien oder rote Ampeln missachten.

Entschieden widerspricht dem der ADFC. Gegenüber ShaRAD Space erklärt Dr. Gudrun Zühlke, Landesvorsitzende des ADFC in Baden-Württemberg:

„Wenn in den letzten Wochen die Beschwerden über die Radfahrer ansteigen, so liegt das sicher nicht daran, dass die einzelnen Radfahrer rüpelhafter sind als vorher, sondern es sind einfach viel mehr Leute mit dem Rad unterwegs und sie fahren längere Strecken, jetzt wo das Wetter schön ist.“

Dabei verklärt die Landesvorsitzende keineswegs die Realität, sondern liefert vielmehr plausible Erklärungen, die einem Fehlverhalten einzelner Velo-Enthusiasten zumindest Vorschub leisten: „Ja, es gibt Radfahrer, die sich nicht an die Regeln halten, genauso wie bei den Fußgängern und den Autofahrern auch, da darf man nicht darum herum reden. Aber es gibt auch Infrastruktur, die den Regelbruch der Radfahrer provoziert. Das sind zum Beispiel die Ampelkreuzungen, bei denen die Kfz ein durchgehendes Grün bekommen, die Radfahrer aber von Insel zu Insel hüpfen müssen und dort eventuell sogar noch auf eine ‚Bettelampel‘ drücken müssen, um sich das Grün anzufordern. Das sind aber auch große breite Radwege, die die schnellen Radfahrer bündeln, die dann unversehens in einen verkehrsberuhigten Bereich oder eine Fußgängerzone hineinführen. Wenn ein Stadtplaner eine Verkehrsberuhigung haben will, dann muss er auch den schnellen Radfahrern eine Lösung außen herum anbieten. Dann gibt es Radwege, die einfach enden – ohne Ausleitung auf die Straße, einfach Fußwegschild oder Radweg-Ende. Da kann man weder dem Radfahrer, der rechtzeitig trotz Benutzungspflicht des Radwegs auf die Fahrbahn fährt, noch dem Radfahrer, der weiter auf dem Gehweg fährt, vorwerfen, er habe die Regeln böswillig gebrochen.“

Mit dieser Einschätzung trifft der ADFC ganz klar ins Schwarze, wie auch ein Blick in den Blog „Radfahren in Heilbronn“ verrät. Insgesamt scheint die Stimmung rund um das Thema Radkultur in der Käthchenstadt ziemlich aufgeheizt. Carsten Friese von der Heilbronner Stimme kanzelte in einem Kommentar vom Juni dieses Jahres selbst das System Fahrradstraße als von den Heilbronner Stadtoberen halbherzig behandelt ab. Er fordert, es mit mehr Herzblut anzugehen. „Ohne Aufklärung, klare Schilder, ohne gelegentliche Kontrollen geht es nicht. Sonst haben die Straßen ihren Namen nicht verdient.“

Und nicht bloß den, sondern auch nicht das sich selbst aufgegebene Motto, dass Radfahren als umweltfreundliches Verkehrsmittel von der Stadt Heilbronn gefördert und auf vielfältige Weise unterstützt wird! cl