ADFC begrüßt weiteren Ausbau der Alsterachsen

20161022ud_img_4202

Anwohnerinnen und Anwohner der Sierichstraße sind Straßenlärm ausgesetzt, der nicht einmal in einem Gewerbegebiet zulässig ist. Quelle/Rechte: ADFC Hamburg

Hamburg – Nach dem Umbau des Harvestehuder Wegs auf der Westseite der Alster vor zwei Jahren will die Verkehrsbehörde nun endlich auch die Situation auf der Ostseite fahrradfreundlicher gestalten. Gestern Abend hat sie ihre Planungen im Literaturhaus am Schwanenwik vorgestellt.

„Gerade auf der Ostseite der Alster sind Radfahrer, Jogger und Fußgänger auf viel zu engem Raum und viel zu schmalen Wegen unterwegs – Verbesserungen sind dort dringend notwendig“, so Stefanie Miczka, Referentin für Verkehr des ADFC Hamburg. Der Abschnitt von der Krugkoppelbrücke bis zur Schönen Aussicht und zum Schwanenwik, für den die Behörde ihre  Pläne gestern präsentiert hat, werde von besonders vielen Radfahrenden genutzt. Die Hohenfelder Bucht im südlichen Anschluss, wo zwei Velorouten verlaufen, wird derzeit ebenfalls neu geplant. Miczka fordert eindringlich:

„Wichtig ist, dass bei diesen Planungen und Umgestaltungen das zukünftig noch stärkere Radverkehrsaufkommen in Hamburg gleich mitgedacht wird.“

Rund um die Alster seien schon heute die meisten Radfahrenden in Hamburg unterwegs. Der Fahrradclub begrüßt die von der Behörde geplanten Lösungen mit Radfahrstreifen oder Fahrradstraßen auf den so genannten „Alsterachsen“.

„Damit die Wege an der Außenalster zukünftig noch attraktiver für Radfahrende, Jogger und Fußgänger werden, muss die Politik auch hier den Mut haben, dem Autoverkehr Platz wegzunehmen.“

Bei der Einrichtung von weiteren Fahrradstraßen an der Alster könne auch aus früheren Fehlern gelernt werden, etwa aus dem Umbau des Harvestehuder Wegs zur Fahrradstraße. Die Politik hatte damals aufgrund des Kfz-Schleichverkehrs, der Touristenbusse und der Verlegung der Parkplätze auf die Fahrbahn viel Kritik einstecken müssen. Nach Korrekturen wird die Fahrradstraße im Harvestehuder Weg inzwischen von den Radfahrenden gut angenommen. „Die Behörde sollte die Fahrradstraßen auf der Ostseite der Alster nur für den Anliegerverkehr freigeben und vielleicht auch über eine zeitliche Begrenzung für die Durchfahrt von Touristenbussen nachdenken“, schlägt Miczka vor.

Pressemitteilung ADFC Hamburg

Advertisements

Rückbau Radverkehrsführung Isestraße

u-bahnhof_hoheluftbrucke

An der Hoheluftbrücke kommt es trotz Radfahrstreifen immer wieder zu konfliktträchtigen Situationen zwischen Auto- und Radfahrern. Nun reagiert der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer und baut die neue Radwegeführung zurück. Foto: By Pauli-Pirat Wikimedia Commons

Hamburg – Seit August 2016 arbeitet der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) an der Modernisierung der Radwege im Grindelberg. Im Abschnitt zwischen Isestraße und Hallerstraße werden  unter anderem Radfahrstreifen neu angelegt und die vorhandenen Rad- und Gehwege erneuert. Außerdem saniert der LSBG die Fahrbahn  und verbreitert diese zum Einbau einer Wendesperre zwischen den Busfahrstreifen.

Bis Ende 2016 hat der LSBG bereits den Bauabschnitt zwischen Isestraße und Schlankreye/Oberstraße auf beiden Seiten fertiggestellt. Hierbei wurde auch die Radwegführung im Bereich der Isestraße umgebaut. Ziel der Umplanung war eine geradlinige und komfortable Radwegführung.  Zur Vermeidung von Umwegen für Radfahrende sollte die Erreichbarkeit des von dem Grindelberg wegführenden Armes der Isestraße über die an der 🆄-Bahn-Station Hoheluftbrücke befindliche Fußgänger- und Radfahrerquerung ermöglicht werden. Der Radweg wurde deshalb im Zweirichtungsverkehr vor den Säulen des Hochbahnviaduktes angelegt. Die Furten über die Isestraße wurden mittels roter Markierung hervorgehoben. Nach dem Umbau zeigte sich jedoch, dass diese technisch und rechtlich einwandfreie Verkehrsführung von den Verkehrsteilnehmern nicht so angenommen wird wie beabsichtigt. Insbesondere der nach rechts in den Grindelberg einbiegende Kfz-Verkehr führt hierbei in Kombination mit dem Zweirichtungsradverkehr zu Problemen. Aufgrund des starken Fokus auf den Verkehr im Grindelberg zur Findung einer Einfahrtslücke ziehen Autofahrer häufig auf den freizuhaltenden Radfahrstreifen vor und übersehen von rechts ankommende Radfahrer.

Nach Analyse der Situation haben der LSBG und die zuständigen Behörden beschlossen, die neue Radwegführung zurückzubauen und die Radfurt in den Bereich der vorhandenen Zebrastreifen zurückzulegen. Die Arbeiten begannen am 22. Februar und sollen noch voraussichtlich bis kommende Woche andauern.

Pressemitteilung BWVI

ADFC plädiert für sachliche Diskussion beim Elberadweg

oevelgoenne_radweg_adfc

So könnte der Elberadweg eines Tages aussehen. Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Andreas Vallbracht, Bearbeitung: ADFC Hamburg 

Hamburg – Der Verkehrsausschuss Altona hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die Planung für einen neuen Radweg entlang des Elbstrandes bei Övelgönne weiter voranzutreiben und nun Detailfragen zu klären. Der ADFC ist für eine sachliche und ruhige Diskussion, wie die Verkehrsbedingungen für den Rad- und Fußverkehr an der Elbe zu verbessern sind. Der Fahrradverband unterstützt deshalb das Vorgehen des Bezirks, Pläne zu entwickeln und zu prüfen, ob ein Radweg am Elbstrand möglich ist. Stefanie Miczka, Referentin für Verkehr des ADFC Hamburg, sagt:

„Die Verkehrssituation für Fußgänger und Radfahrer ist an diesem Abschnitt des Elbstrands schlecht – es muss sich was ändern.“

Um eine Lösung für die Verkehrssituation zu erreichen, sei es notwendig, verschiedene Ideen und Möglichkeiten sachlich zu diskutieren und zu prüfen. „Es ist doch keine Alternative, jegliche Veränderung auf dieser Strecke grundsätzlich abzulehnen“, so Miczka. „Bislang wurde auch nur ein Entwurf vorgelegt, der nun weiter geprüft wird.“ Grundsätzlich sei es bei Veränderungen des öffentlichen Raums und der Flächenaufteilung immer eine Abwägung: Überwiegen die Vorteile der Maßnahme oder spricht zu viel dagegen – und wenn ja, was? „Dazu braucht es als Diskussionsgrundlage aber erst einmal einen Plan.“

Wie bei jedem Radverkehrsprojekt geht es auch in Övelgönne um die knappen Flächen in der Stadt. Kämpferisch empört sich Miczka:

„Mal sind es Parkplätze, mal das Kopfsteinpflaster, mal die doppelten Fahrspuren für den Autoverkehr, die unbedingt erhalten bleiben sollen und verhindern, dass Hamburgs Straßen fahrradfreundlich werden.“

Der Lückenschluss des Elberadwegs würde eine deutliche Verbesserung für Spaziergänger, Jogger, Anwohner wie Radfahrer bringen und bedeutet außerdem für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer, dass auch sie den Strandabschnitt nutzen können. Durchgängige und stadtteilübergreifende Verbindungen mit guten Bedingungen für den Radverkehr seien attraktiv und wichtig, um die Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Rad zu bewegen.

„Viele Berufstätige sind auf das Fahrrad und eine attraktive, schnelle Verbindung in die Stadt angewiesen – durch die Steigung zwischen Teufelsbrück und Parkstraße sowie dem hohem Kfz-Aufkommen gerade morgens und abends fühlen sich viele Radfahrer ohne Radverkehrsanlagen auf der parallel verlaufenden Elbchaussee nicht wohl“, erklärt Miczka.  Auch Radtouristen müssen bislang – wenn sie nicht auf die Elbchaussee ausweichen – die etwa 1 km lange Strecke entlang der Kapitänshäuser schieben. Durch den Lückenschluss in Övelgönne wäre der beliebte Elbe-Radfernwanderweg durchgängig befahrbar.

Pressemitteilung ADFC Hamburg

Alle Radschnellwege von NRW auf einer Homepage

Die Auffahrt Eppinghofer Straße ist aktuell in Mülheim Anfang und Ende des RS1. Die Beschilderung jedoch bis dahin ist mangelhaft. Foto: Christian Linow

Radschnellwegen wie dem RS1 soll die Zukunft gehören. Foto: Christian Linow

Düsseldorf – Ab sofort haben die nordrhein-westfälischen Radschnellweg-Projekte ihre eigene Homepage: Dort können sämtliche Informationen zu den insgesamt sieben Maßnahmen auf der neuen Website www.radschnellwege.nrw abgerufen werden.

Standards für Radschnellwege, Planungsstände, Baufortschritte und weitere hilfreiche Informationen zu den Radschnellwegen in NRW werden dort gebündelt präsentiert. Anlässlich der Freischaltung sagte Verkehrsminister Michael Groschek:

„Unsere Radschnellwege sind eine Erfolgsstory. Mit dieser Homepage wollen wir den Menschen zeigen, was in ihrer Region passiert und wie es um die Projekte steht. Denn so viel ist klar: Angesichts des zunehmenden Straßenverkehrs werden die Radschnellwege unsere mobile Zukunft wesentlich beeinflussen.“

Momentan plant der Landesbetrieb Straßenbau den Weiterbau des Radschnellwegs Ruhr (RS1) von der Uni Essen bis an die Stadtgrenze zu Bochum. Die Stadt Mülheim baut momentan den Abschnitt von Mülheim Hauptbahnhof bis zur Ruhrbrücke. Hier ist bereits in diesem Sommer mit einer Fertigstellung zu rechnen. Dann soll auch der Spatenstich zur Sanierung der Ruhrbrücke und zum Weiterbau bis zum Campus der Hochschule Ruhr West erfolgen. Der Abschnitt Mülheim Hauptbahnhof bis zur Uni Essen wird noch aufgewertet in dem der rund zehn Kilometer lange Abschnitt mit einer durchgängigen Beleuchtung, Markierungen und wegweisender Beschilderung versehen wird.

In konkreter Planung befinden sich auch bereits zwei andere Projekte: Der Abschnitt Bocholt-Rhede des Radschnellweges Westliches Münsterland (RS2) im Münsterland und der Abschnitt Löhne-Bad Oeynhausen beim Radschnellweg OWL. Pressemitteilung MBWSV

ADFC prüft Rechtsgutachten zum Volksentscheid Fahrrad 

Der Gesetzentwurf des Volksentscheid Fahrrad ist laut einem Rechtsgutachten des Senats in vielen Punkten juristisch nicht haltbar. Illustration auf Grundlage von Logo des Netzwerks Lebenswerte Stadt e.V.: Redaktion RadfahrInfo

Berlin – Nach der Veröffentlichung des Rechtsgutachtens zum Volksentscheid Fahrrad hat der ADFC eine juristische Prüfung der Analyse angekündigt. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Teile des Radgesetzes nicht in die Gesetzgebungskompetenz des Landes Berlin fallen oder nicht mit Vorgaben der Straßenverkehrs-Ordnung vereinbar sind (RadfahrInfo berichtete). Ziel sei es nun, bis zum voraussichtlichen Start der Verhandlungen Anfang Februar die kritischen Punkte zu prüfen und, falls notwendig, mögliche Lösungen zu erarbeiten.

Am 10. Januar hatten Radverkehrs-, Mobilitäts- und Umweltverbände beschlossen, dass ein gemeinsames Team aus Volksentscheid Fahrrad und ADFC Berlin die Verhandlungen über das Radgesetz mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz führen wird. In ihrer Koalitionsvereinbarung hatten die Regierungsparteien zuvor festgehalten, wesentliche Forderungen des ADFC Berlin und des Volksentscheids Fahrrad umsetzen und dafür noch im Frühjahr ein Radverkehrsgesetz auf den Weg bringen zu wollen. Eva-Maria Scheel, Landesvorsitzende des ADFC Berlin, lobt:

„Noch nie hat sich eine Berliner Regierung so klar zu Radverkehr und nachhaltiger Mobilität bekannt. Jetzt gilt es, die guten Vorhaben aus der Koalitionsvereinbarung in die Tat umzusetzen. Dabei wird der ADFC Berlin den Senat und die Bezirke begleiten und konstruktiv an einer zeitnahen Umsetzung mitarbeiten. Wir blicken gespannt und guten Mutes auf die bevorstehenden Gespräche und auf eine Legislaturperiode, die ganz im Zeichen der Mobilitätswende steht. Berlin hat jetzt die Chance, als Vorbild für die lebenswerte Stadt voranzuschreiten.“

Weitere wichtige Schritte des Senats werden sein, ein Bündnis für den Radverkehr mit den Bezirken und anderen Akteuren zu schließen und eine Velo-GmbH zur zentralen Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen zu gründen. Auch dies waren zentrale Forderungen des ADFC vor den Abgeordnetenhauswahlen. red

Volksentscheid Fahrrad: Geisel-Gutachten ist Klientelpolitik auf dem Rücken Radfahrender

Volksentscheid Fahrrad, Beginn der Unterschriftensammlung

Beginn der Unterschriftensammlung des Volksentscheids Fahrrad. Foto: Volksentscheid Fahrrad, Norbert Michalke

Berlin – Vor dem Hintergrund der veröffentlichten Zulässigkeitsprüfung zum Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin (RadfahrInfo berichtete) hat sich nun der Volksentscheid Fahrrad zu Wort gemeldet. Anders als es die Zusammenfassung des Gutachtens nahelegen könnte, sieht die Initiative das so genannte Radgesetz nicht als gescheitert an. In einer Erklärung heißt es dazu wörtlich:

„Der Prüfungsauftrag kommt zu keinem negativen Ergebnis bei den Paragraphen 1 – 3 und 10 – 21. Damit ist der Löwenanteil des RadGesetzes unbeanstandet und unkompliziert machbar.“

Darüber hinaus seien auch die von der Rechtsanwaltssozietät Redeker, Sellner, Dahs monierten Paragraphen zur Einrichtung von Fahrradstraßen, der pauschalen Öffnung von Einbahnstraßen und einer grünen Welle für den Radverkehr inhaltlich alles andere als nicht umsetzbar. Wenn hier nun eine rechtliche Ausgestaltung über das Straßenverkehrsrecht kritisch gesehen würde, über das Straßenrecht jedoch nicht, könnten bauliche, allerdings zum Teil teurere Maßnahmen dennoch verordnet werden. Kerstin Stark vom Volksentscheid Fahrrad sagt dazu:

„Wir haben nichts dagegen, Fahrradstraßen und Radwege auch mit smarten baulichen Maßnahmen wie Pollern und Baggern anzulegen. Unser Ansatz, unterstützt von 100.000 Menschen aus Berlin, war aber, angemessen, preisgünstig und kurzfristig für den Radverkehr zu sorgen: Wir hätten konstruktive Verbesserungsvorschläge für unser Gesetz erwartet statt eines Prüfauftrags an teure Juristen, der Herrn Geisels Untätigkeit schützt.“

Stark hält das „Geisel-Gutachten“ für Klientelpolitik, „die sich ebenso gegen den Radverkehr wie die staugeplagten Pendelnden richtet.“ Umso mehr sieht Michael Schulte vom Volksentscheid Fahrrad jetzt die Verkehrssenatorin Regine Günther und ihren Staatssekretär Jens-Holger Kirchner in der Pflicht, „für Verbindlichkeit zu sorgen.“

Eine allgemeine Kritik übt die Interessenvertretung an der Grundlage, auf die sich die Expertise stützt:

„Im Gutachten ist das RadGesetz ausschließlich gegen das Straßenverkehrsrecht geprüft worden, das seine Wurzeln in der Reichsstraßenverordnung hat, die politisch den boomenden Autoverkehr protegierte.“


 

316045-109_k

Heinrich Strößenreuther Foto: Volksentscheid Fahrrad/Norbert Michalke

RadfahrInfo hatte die Möglichkeit, mit dem Initiator des Volksentscheids Fahrrad, Heinrich Strößenreuther, ein Interview zum Thema zu führen.

Herr Strößenreuther, die Rechtsanwaltssozietät Redeker, Sellner, Dahs hält Ihren Gesetzentwurf in großen Teilen für nicht umsetzbar, weil es der Kanzlei zufolge dem Land an legislativer Kompetenz mangele. Teilen Sie diese Einschätzung?

Große Teile sind nicht beanstandet worden, tatsächlich bezieht es sich nur auf 27% aller Paragraphen.

Haben Sie Ihren Vorstoß denn keiner rechtlichen Evaluation im Vorwege unterzogen? Und wäre möglicherweise weniger mehr gewesen, indem man den Senat anstelle eines Gesetzentwurfs beispielsweise durch eine Petition zum Handeln bewegt hätte?

Das haben wir gemacht und waren mit unseren Juristen, u. a. Bundesanwalt vom ADFC, zu einer machbaren Einschätzung gekommen – bei Goodwill.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir sind guter Dinge, dass sich alles kurieren lässt, in einer Verhandlungslösung, notfalls mit einem neuen Anlauf.

Sehen Sie in dem Gutachten eine Niederlage, deren Flurschaden sich möglicherweise komplett auf den Fahrradaktionismus ausweiten und die positive Stimmung in der Bevölkerung beeinträchtigen könnte?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Erwartungsdruck an die Politik wird noch größer, wenn hier mit vorsätzlich eingeschränkten Negativ-Prüfaufträgen gehandhabt wird.

Wäre es möglicherweise geschickter gewesen, mit Bildung der neuen rot-rot-grünen Koalition eher auf eine Kooperation mit dem Senat zu setzen?

Erst mal war die nicht da, wäre möglicherweise ohne uns auch nicht zustande gekommen. Wir haben den politischen Willen hergestellt, etwas zu tun. Wir steigen jetzt in die Verhandlung ein.

Wird es Ihrerseits Anstrengungen auch auf bundespolitischer Ebene geben, Ihre Forderungen im Straßenverkehrsrecht zu etablieren?

Wir fordern den Senat auf, dass über den Bundesrat tun. Wir haben noch alle Hände voll zu tun, hier in Berlin für eine umumkehrbare Neuausrichtung per Gesetz zu sorgen.

Wenn Sie zurückblicken: Was hat der Volksentscheid Fahrrad bis jetzt erreicht?

Wir haben die Verkehrswende von unten hinbekommen, die jetzt durch Politik und Verwaltung umgesetzt wird. Wir haben deutschland- und weltweit ein Vorbild gesetzt, was geht.

Vielen Dank!

cl

Berlins Radgesetz teilweise rechtswidrig

volksentscheid_rad_2017

Der Gesetzentwurf des Volksentscheid Fahrrad ist laut einem Rechtsgutachten des Senats in vielen Punkten juristisch nicht haltbar. Illustration auf Grundlage von Logo des Netzwerks Lebenswerte Stadt e.V.: Redaktion RadfahrInfo

Berlin – Um den Gesetzentwurf des Volksentscheids Fahrrad auf Zulässigkeit zu prüfen, hatte die damalige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt von der dafür zuständigen Senatsverwaltung für Inneres und Sport eine fachrechtliche Sondierung erbeten.

Das Ergebnis der Rechtsanwaltssozietät Redeker, Sellner, Dahs wurde bereits im Oktober des vergangenen Jahres übermittelt und steht ab sofort als Download zur Verfügung.

Aus der Zusammenfassung der Anwälte wird unterdessen deutlich, dass das vom Netzwerk Lebenswerte Stadt e. V. vorgeschlagene Gesetz zur Förderung des Radverkehrs in Berlin zumindest in großen Teilen rechtlich nicht umsetzbar ist. Wörtlich heißt es in dem Papier:

„Die §§ 4 bis 9 RadG enthalten ganz überwiegend straßenverkehrsrechtliche Regelun­gen. Eine geltungserhaltende Umdeutung in straßenrechtliche Regelungen ist unzuläs­sig. Etwas anderes gilt für die § 6 Abs. 1, 3, 4 und 5, § 7 Abs. 1 bis 4 und § 8 Abs. 1, 2, 4 und 5 RadG. Hierbei handelt es sich um straßenrechtliche Regelungen, für die das Land Berlin die Gesetzgebungskompetenz hat.“

Eine Absage erteilt das Dossier damit der verpflichtenden Einrichtung von Fahrradstraßen, der pauschalen Öffnung von Einbahnstraßen und einer grünen Welle für den Radverkehr. Ebenfalls scheitert den Gutachtern zufolge eine gesetzlich verankerte Mitbenutzung von Busspuren. Größtenteils keine Schwierigkeiten sehen die Juristen beim Bau von Radschnellwegen und sicheren Radverkehrsanlagen an Hauptstraßen sowie in der Umgestaltung von neuralgischen Knotenpunkten.

Maßgeblich für die Entscheidung, ob das Radgesetz in unzulässiger Weise gegen Bundesrecht verstößt, war die Frage, inwiefern die Maßnahmen als straßenrechtliche oder straßenverkehrsrechtliche Eingriffe zu werten sind. Während straßenrechtliche Vorschriften – also Regelungen, die dem Bereitstellen des Weges dienen – durch die Länder erlassen werden können, obliegt die Hoheit über straßenverkehrsrechtliche Statuten ausschließlich dem Bund. Denn er soll durch das Straßenverkehrsrecht die polizeilichen Voraussetzungen für einen sicheren und flüssigen Verkehr schaffen. cl

Diskutieren Sie über das Thema in unserem RadfahrInfo-Forum!

Gleimtunnel: Zur Wiedereröffnung Tempo 30 und langfristig eine Fahrradstraße

640px-gleimtunnel-01

Nach den heftigen Regenfällen im Juli, die das Bauwerk unter Wasser gesetzt und parkende Autos zusammengeschoben hatten, musste der Gleimtunnel gesperrt werden. Jetzt steht seine Wiedereröffnung unmittelbar bevor. Foto/Rechte: Wikimedia Commons, Dieter Weißbach

Berlin – Bei einem Ortstermin am Gleimtunnel wurden heute letzte Maßnahmen vor der Wiedereröffnung des Tunnels besprochen. Auf Einladung von Staatssekretär Jens-Holger Kirchner nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Bezirksämter Mitte und Pankow, der Verkehrslenkung Berlin, der Oberen Straßenverkehrsbehörde, der Polizei, der Groth-Gruppe, des Straßenlaternenbetreibers Alliander Stadtlicht und Anwohnerinnen und Anwohner teil.

Verabredet wurde, dass der Tunnel Ende kommender Woche wieder geöffnet werden soll. Im Tunnel werden zusätzliche Leuchten angebracht, damit es insgesamt und insbesondere auf den Bürgersteigen heller und damit sicherer wird. Die Tempo-30-Zone wird bis zur Graunstraße erweitert, um so die Verkehrssicherheit für Radfahrende zu erhöhen. Das Parken im Tunnel ist weiter möglich. Auf der Weddinger Seite wird auf die Höhe des Rondells aus Kopfsteinpflaster mit einer zusätzlichen Markierung hingewiesen, um Gefahren für alle Verkehrsteilnehmer zu vermeiden. Perspektivisch soll der Gleimtunnel in eine längere Fahrradstraße integriert werden. Staatssekretär Jens-Holger Kirchner sagt:

„Ich freue mich, dass nach den langen Monaten der Schließung der Gleimtunnel bald wieder eröffnet werden kann. Die Neugestaltung erhöht die Attraktivität des Straßenzuges für Radfahrerinnen und Radfahrer und ermöglicht ein sicheres Nebeneinander von Auto- und Fahrradverkehr“.

Der Gleimtunnel war nach heftigen Regenfällen im Juli gesperrt worden. Ausschließlich Radfahrende und zu Fuß Gehende durften das Bauwerk entlang der früheren innerdeutschen Grenze seither passieren.

Bis zum Abschluss der Arbeiten am Regenwasserkanal wird es am nordwestlichen Rand noch eine Baustelle geben, die entsprechend markiert wird. Pressemitteilung SenUVK

Berlins Verkehr: Mehr Unfälle, mehr Autos, mehr Tote

316065-74

Sit-in von Aktivisten des Volksentscheid Fahrrad auf der Kaiser-Wilhelm-Strasse in Lankwitz anlässlich eines tödlichen Fahrradunfalls am 23.8.2016. Einer von vielen, wie der Verkehrssicherheitsbericht leider bescheinigt. Foto/Rechte: Volksentscheid Fahrrad/Norbert Michalke

Berlin – Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat den Verkehrssicherheitsbericht 2016 vorgelegt. Er steht ab sofort auch als Download auf den Internetseiten zur Verfügung.

Demnach wurden im Jahr 2015 rund 137.000 Verkehrsunfälle polizeilich registriert, was abermals einen Zuwachs gegenüber den Vorjahren bedeutet. Unterdessen weist die Senatsverwaltung darauf hin, dass auch die Einwohner- und die Kfz-Zulassungszahlen seit einigen Jahren ansteigen.

Die bis zum Jahr 2010 erfreuliche Entwicklung bei Verunglückten hat sich seither nicht fortgesetzt. Fast 18.000 Menschen wurden 2015 wieder bei Verkehrsunfällen im Berliner Stadtgebiet verletzt, davon rund 2.100 schwer. Auch die Zahl der bei Verkehrsunfällen Getöteten kletterte auf einen recht hohen Wert. Nach einem Tief im Jahre 2013 mit 37 tödlich Verletzten verloren 2015 insgesamt 48 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr der Hauptstadt. Der Zuwachs in den letzten drei Jahren folgt dabei einem allgemeinen Trend. Deutlich ungünstiger als der bundesweite Durchschnitt bei innerörtlichen Unfällen erweist sich allerdings die Entwicklung im Hinblick auf schwer verletzte Unfallopfer: Während die Anzahl Schwerverletzter auf Innerortsstraßen bundesweit betrachtet seit 2004 um 13 % zurückging, war in Berlin im gleichen Zeitraum ein Zuwachs um 13 % zu verzeichnen.

Rund drei Viertel aller Schwerverletzten und Toten sind unter den zu Fuß Gehenden, Radfahrenden und motorisiert Zweiradfahrenden zu beklagen. Ohnehin  kommen die beiden Letzteren im Vergleich zu ihrem Anteil an den täglichen Wegen im Straßenverkehr überproportional häufig mit gefährlichen Blessuren zu Schaden. Laut Angaben der Senatsverwaltung bleibt das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln sonach die sicherste Form der Verkehrsteilnahme.

Gleichwohl wurden die meisten Unfälle mit Verletzungs- und Tötungsfolge, an denen Fußgänger und Radfahrer beteiligt waren, von Autofahrern verschuldet. Vor allem junge Erwachsene, aber auch Erwachsene mittleren Alters (25 bis 64 Jahre) fallen der Statistik zufolge insbesondere auf. Als Unfallursache dominiert hier mit Abstand „Falsches Verhalten beim Abbiegen“. Dies gilt in besonderem Maße gegenüber Radfahrenden. Die Unfallursachen „Nichtbeachten der Vorfahrt“ und „Nicht angepasste Geschwindigkeit“ rangieren an zweiter und dritter Stelle.

Im Rahmen seiner Verkehrssicherheitsarbeit setzt der Senat unter anderem mit Nachdruck auf die „Berliner Charta für die Verkehrssicherheit“, in der sich mittlerweile über 30 Institutionen zusammengeschlossen haben. Mit vielfältigen Maßnahmen und Aktivitäten sollen sie zur Erhöhung der Verkehrssicherheit im Stadtgebiet beitragen.

Des Weiteren will sich die Senatsverwaltung auch in den kommenden Jahren verstärkt den Themen Geschwindigkeit und Geschwindigkeitsverhalten widmen. Im Vordergrund soll hierbei vor allem die Wirkung der Verletzungsschwere bei Fußgängern und Radfahrern stehen. Ebenfalls auseinandersetzen möchte man sich mit der Abbiegeproblematik bei parallel verlaufenden Fuß- und Radverkehrsströmen und deren Ampelschaltungen. Ferner soll eine Rahmensetzung für das Überqueren von Fahrbahnen durch Passanten festgelegt und an einer generell besseren Sichtbarkeit aller Verkehrsteilnehmer untereinander gearbeitet werden. red/cl

 

Verkehrsinfos und multimodaler Routenplaner auf berlin.de

 

berlin_de_routenplaner

Ab sofort präsentiert die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Verkehrsinformationen auch auf dem Hauptstadtprotal berlin.de. Ein nützlicher Bestandteil für Radfahrende ist der multimodale Routenplaner, der zahlreiche Details wie Bike-Sharing-Stationen oder Verkehrsmeldungen bereithält. Quelle zitiertes Bild: Screenshot, berlin.de / BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG

Berlin – Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz stellt ihre Verkehrsinformationen ab jetzt auch direkt auf dem Hauptstadtportal ein. Senatorin Regine Günther möchte so Transparenz schaffen und die Informationen leicht zugänglich interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung stellen.

Über den Service–Reiter „Verkehr“ der Berliner Homepage gelangt man jetzt direkt zu allen Bereichen rund um das Thema Mobilität.

Darin enthalten sind:

  • ein Routenplaner für öffentlichen sowie Individualverkehr, Rad, Fuß und intermodalen Verkehr
  • die Verkehrslagekarte mit der Anzeige von verkehrlichen Störungen, Baustellen und Sperrungen – gleichzeitig können diese auch als Meldungsliste ausgegeben werden
  • die Verkehrsbeobachtungskameras
  • Informationen zu den Berliner Flughäfen
  • alles zum öffentlichen Nahverkehr wie beispielsweise Fahrkarten, Tarifzonen und Netze von S-Bahn, U-Bahn, Bus u. Tram

In der linken Navigationsliste sind zudem An- und Abreiseinformationen des Fernverkehrs in Bahnhöfen, auf Flughäfen sowie von Fernbussen abrufbar.

Weiterhin stellt darüber hinaus die Verkehrsinformationszentrale alle Verkehrsmeldungen auf viz.berlin.de bereit.

Mit dem Routenplaner haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre individuelle Strecke von einem gewünschten Start- zu einem Zielpunkt zu planen. Die Effektivität zur Erreichung des Zielortes sowie die Individualität in der Auswahl des Verkehrsmittels stehen hierbei im Vordergrund. Unter Einbeziehung der aktuellen Verkehrslage haben die Nutzer die Möglichkeit, sich die schnellste Route mit dem Fahrrad, den öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Pkw, zu Fuß oder multimodal anzeigen zu lassen.

Die Verkehrslagekarte gibt derweil Auskunft über die aktuelle städtische Verkehrssituation. Farblich gekennzeichnete Elemente visualisieren Störungen im Straßenverkehr sowie im ÖPNV. Eine Umfahrung dieser Bereiche oder die Wahl eines anderen Verkehrsmittels kann so von jedem Nutzer im Vorfeld eingeplant werden.

Über dieses Angebot hinaus bietet die Karte noch weitere Funktionen. So können mittels eines Layers auf dem Plan zahlreiche Standortinformationen wie beispielsweise touristische Ziele, S- und U-Bahn-Stationen, Busparkplätze, Taxihaltestellen, Verleih- und Sharingstationen sowie Ladesäulen ausgewählt werden.

Die Verkehrsbeobachtungskameras veranschaulichen unterdessen das Verkehrsaufkommen auf den Berliner Straßen. Die Bildinformationen können genutzt werden, um die geplanten Reisezeiten effizienter zu gestalten. Mithilfe der Kamerabilder kann man sich einen schnellen Überblick zur aktuellen Verkehrslage verschaffen und gegebenenfalls Alternativrouten einplanen.

Ein weiteres Novum sind die geplanten Abfahrtszeiten der Fernbusse, die in der neuen Version auf die jeweilige Haltestelle bezogen abrufbar sind und desgleichen über Verspätungen informieren. Um eine sichere An- und Abreise zu garantieren, ist zudem jede Haltestelle auf einer Karte markiert.

Last, but not least sind auch die Ankunfts- und Abflugzeiten an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld auf der Berliner Webseite berücksichtigt. Reisende können auf diese Weise überprüfen, ob eine Maschine Verspätung hat, sich im Landeanflug befindet oder bereits gelandet ist. red