Alle Radschnellwege von NRW auf einer Homepage

Die Auffahrt Eppinghofer Straße ist aktuell in Mülheim Anfang und Ende des RS1. Die Beschilderung jedoch bis dahin ist mangelhaft. Foto: Christian Linow

Radschnellwegen wie dem RS1 soll die Zukunft gehören. Foto: Christian Linow

Düsseldorf – Ab sofort haben die nordrhein-westfälischen Radschnellweg-Projekte ihre eigene Homepage: Dort können sämtliche Informationen zu den insgesamt sieben Maßnahmen auf der neuen Website www.radschnellwege.nrw abgerufen werden.

Standards für Radschnellwege, Planungsstände, Baufortschritte und weitere hilfreiche Informationen zu den Radschnellwegen in NRW werden dort gebündelt präsentiert. Anlässlich der Freischaltung sagte Verkehrsminister Michael Groschek:

„Unsere Radschnellwege sind eine Erfolgsstory. Mit dieser Homepage wollen wir den Menschen zeigen, was in ihrer Region passiert und wie es um die Projekte steht. Denn so viel ist klar: Angesichts des zunehmenden Straßenverkehrs werden die Radschnellwege unsere mobile Zukunft wesentlich beeinflussen.“

Momentan plant der Landesbetrieb Straßenbau den Weiterbau des Radschnellwegs Ruhr (RS1) von der Uni Essen bis an die Stadtgrenze zu Bochum. Die Stadt Mülheim baut momentan den Abschnitt von Mülheim Hauptbahnhof bis zur Ruhrbrücke. Hier ist bereits in diesem Sommer mit einer Fertigstellung zu rechnen. Dann soll auch der Spatenstich zur Sanierung der Ruhrbrücke und zum Weiterbau bis zum Campus der Hochschule Ruhr West erfolgen. Der Abschnitt Mülheim Hauptbahnhof bis zur Uni Essen wird noch aufgewertet in dem der rund zehn Kilometer lange Abschnitt mit einer durchgängigen Beleuchtung, Markierungen und wegweisender Beschilderung versehen wird.

In konkreter Planung befinden sich auch bereits zwei andere Projekte: Der Abschnitt Bocholt-Rhede des Radschnellweges Westliches Münsterland (RS2) im Münsterland und der Abschnitt Löhne-Bad Oeynhausen beim Radschnellweg OWL. Pressemitteilung MBWSV

NRW und Niederlande vereinbaren auf Verkehrsministerkonferenz engere Zusammenarbeit

Der einzige Hinweis auf das wohl bekannteste Ziel Essen. Etwas dürftig für einen Radschnellweg. Foto: Christian Linow

Der RS1 gilt als Blaupause und Vorzeigeprojekt für kommende Radschnellwege. Die Niederlande sind da schon weiter. Mit der heutigen Kooperationsvereinbarung will man die Beziehungen intensivieren, um besser voneinander zu lernen. Foto: Christian Linow

Neuss – Auf ihrer gemeinsamen Verkehrskonferenz haben das Land Nordrhein-Westfalen und die vier niederländischen Provinzen Gelderland, Limburg, Overijssel und Nordbrabant heute eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Ziel des Abkommens ist es, den grenzüberschreitenden Verkehr weiter zu verbessern. Verkehrsminister Michael Groschek erklärte hierzu:

„Seit mehr als zehn Jahren setzen wir erfolgreich gemeinsame Projekte mit unseren niederländischen Partnern um. Diese erfolgreiche Zusammenarbeit wollen wir fortsetzen und weiter verstärken. Zudem finden wir bei unseren Nachbarn in Fragen der Mobilität manch kreative Lösung.“

Neben der Schiene stand auch das Thema Radverkehr auf der Agenda der Minister. Er spiele in beiden Regionen eine große Rolle, wie das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium erklärte. So habe es einen intensiven Austausch über die Entwicklung von Radschnellwegen gegeben, mit denen man in den Niederlanden gute Erfahrungen konnte. In Nordrhein-Westfalen wird beispielsweise mit dem Radschnellweg RS 1 eine mehr als 100 km lange direkte und komfortable Radverbindung die Städte des Ruhrgebietes miteinander verbinden. cl

Der RS1: Jetzt wird in die Pedale getreten


Düsseldorf – Unter dem Motto „Jetzt treten wir gemeinsam in die Pedale“ haben Minister Michael Groschek und das nordrhein-westfälische Verkehrsministerium alle Verantwortlichen zu einer „Akteurskonferenz Radschnellweg 1“ an den Tisch geholt, um sie auf auf ein entschlossenes Vorgehen bei der Realisierung des RS1 einzuschwören. Mit dabei waren elf Kommunen, drei Bezirksregierungen, der Regionalverband Ruhr, der Landesbetrieb Straßenbau und Vertreter von Bundesverkehrs- und Bundesumweltministerium.

„Eine Blaupause für moderne Verkehrsinfrastruktur in Ballungsräumen“ könne der RS1 werden, war der einhellige Tenor. Themen waren die bevorstehenden Änderungen des Straßen- und Wegegesetzes NRW, Fragen der Finanzierung des RS1 und die positiven Folgen guter Radinfrastruktur für die Entwicklung der Innenstädte.

Verkehrsminister Michael Groschek erläuterte die Novellen im Straßen- und Wegegesetz, wonach die Landesregierung künftig Radschnellwege als neue Wegekategorie „Radschnellverbindungen des Landes“ einführen will. „Nordrhein-Westfalen ist damit Schrittmacher in Sachen Radverkehr. Die Gesetzesänderung trägt den veränderten Funktions- und Leistungsansprüchen des stetig wachsenden und dank Pedelecs beschleunigten Fahrradverkehrs Rechnung. Radschnellwege schaffen attraktive Verbindungen für einen gemeinde- bzw. kreisübergreifenden Alltags- und Pendlerverkehr, sie entlasten Straßen und ÖPNV, ihnen kommt eine den Landesstraßen vergleichbare regionale Verkehrsbedeutung zu. Das stellen wir jetzt auf eine klare rechtliche Grundlage“, sagte der Minister. Die Änderung des Gesetzes werde voraussichtlich im Oktober vom Landtag beschlossen, so Groschek.

Martin Tönnes vom Regionalverband Ruhr berichtete über den aktuellen Umsetzungsstand durch den Projektträger Regionalverband Ruhr. Bislang sind in den fertiggestellten etwa 10 km langen Abschnitt 31,4 Millionen Euro investiert worden. Er umfasst die bereits eröffneten Strecken 1 und 2 zwischen der Essener Universität und Mülheim an der Ruhr Hauptbahnhof, die drei Teilabschnitte 3 a,b,c , die von der Stadt Mülheim zurzeit gebaut werden und die 1,6 Millionen Euro schwere Brücke über den Berthold-Beitz-Boulevard in Essen. Letztere ist ein eminent wichtiger Mosaikstein in dem ambitionierten Projekt, für das insgesamt 183,7 Millionen Euro veranschlagt sind.

Der Berthold-Beitz-Boulevard. Ein kritischer Punkt, der die Radroute auch verkehrlich zerschneidet. Foto: Christian Linow

Der Berthold-Beitz-Boulevard. Ein kritischer Punkt, der die Radroute auch verkehrlich zerschneidet. Foto: Christian Linow

Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin des Landesbetriebs Straßenbau NRW, skizzierte die künftigen Planungen, die allesamt bei Straßen.NRW gebündelt werden. Auch künftig werde es ihr zufolge einen Finanzierungsmix aus den Radverkehrsfördermitteln des Landes, den Bundesprogrammen für Radwege an Bundesstraßen, aus Städtebaufördermitteln und regionaler Wirtschaftsförderung geben. Wenn der Landtag die Änderung des Straßen- und Wegegesetzes beschlossen habe, könne vor allem auch die Unterhaltung der Strecke aus Landesmitteln erfolgen. Gleichfalls rechne sie ab dem kommenden Jahr spätestens nach der Etatisierung mit einer erhöhten Bundesförderung. Das Bundesverkehrsministerium hatte einen neuen Haushaltsansatz im Zuge der Beratungen zum Bundesverkehrswegeplan zugesagt. Vorbehaltlich der Beschlussfassung im Bundestag soll im nächsten Bundeshaushalt eine Förderung von 25 Millionen Euro für Radschnellwege zur Verfügung stehen.

Insgesamt dürfte sich für den RS1 also eine hoffnungsvolle Zukunft abzeichnen, wie nicht zuletzt der neu aufgelegte Image-Film verdeutlicht. Sofern die in dem Clip akzentuierten Attribute wirklich in die Tat umgesetzt werden, erhalten Radfahrende endlich eine bundesweit einmalige Infrastruktur, die den Kampf mit dem Auto auf Augenhöhe aufnimmt. Oder wie es Verkehrsminister Groschek sagt:

„German Autobahn ist in der Welt ein Qualitätssiegel. Das soll der Rad-schnellweg 1 auch werden: Sicher, schnell und komfortabel.“

Am Ende appellierte er nochmals an die Teilnehmer der Akteurskonferenz eindringlich: „Neben dem Ausbau der Autobahnen und dem Gleisausbau für den RRX ist der RS 1 das Aufbruchssignal für neue Mobilität in der staugeplagten Region. Wir müssen jetzt mit Hochdruck am Ausbau der Strecke arbeiten. Denn sie hat Strahlkraft ins ganze Land.“ cl

Einen Erlebnisbericht über den RS1 finden Sie hier: Auf Gullivers Spuren an Rhein und Ruhr – Zwischen Radschnellweg und Parkplatzmangel

Die Garage fürs (E-)Bike

Bochum – Pedelecs und E-Bikes sind nicht bloß schwer im Kommen. Vor allem haben sie das Fahrradfahren revolutioniert und das Zeug dazu, sogar in Städten wie Stuttgart eine Mobilitätswende einzuläuten. 

Immer öfter steigen Menschen auf das umweltfreundliche Velo um und ihre elektromotorisierten Verwandten sind längst nicht mehr ausschließlich ein Prädikat rüstiger Rentner. Auch junge Menschen finden immer häufiger Gefallen an ihnen. Erst recht in dichten Siedlungsräumen und Metropolen. 

Bedauerlicherweise wecken die hochpreisigen elektrischen Drahtesel jedoch ebenfalls bei einer ganz anderen Klientel Interesse. Mit der wachsenden Präsenz im Verkehrsraum steigt nämlich auch die Anzahl von Diebstahldelikten. Ein für nicht wenige potenzielle Nutzerinnen und Nutzer abschreckender Faktor. Abhilfe bieten hier Fahrradboxen, wie sie beispielsweise die Deutsche Bahn jüngst am Berliner Hauptbahnhof eröffnete  (ShaRAD Space berichtete).

Derlei komfortable Fahrradschließfächer sind in puncto Investition und Unterhaltung unterdessen teuer und für Otto Normalverbraucher kaum erschwinglich. Ein Ausweg könnte hier die eBike-Garage  sein. 

Gemeinsam haben Schüler  und  Lehrer des Berufskollegs  TBS1  in  Bochum einen Prototyp entwickelt. Dort werden Pedelecs trocken und sicher abgestellt und mit Solarstrom geladen. Die eBike-Garage  ist  transportabel und kann flexibel je nach Bedarf aufgestellt werden. Dem Netzwerk ruhrmobil-E zufolge denkt man sogar einen Schritt weiter: 

Zur Zeit laufen in Bochum Planungen, ein bundesweit einmaliges Testprogramm mit solchen eBike Garagen zu starten. Auf dem Zeltfestival 2016 kann sie von Pedelec-Fahrern getestet  werden

Der gemeinnützige Verein lädt in diesem Zusammenhang zu einer Podiumsdiskussion auf dem Zeltfestival Ruhr am Mittwoch, den 24.08. um 19.15 Uhr, unter dem Tenor „Ist die eBike -Garage aus Bochum ein Beitrag zum umweltfreundlichen Stadtverkehr?“ ein. Darüber diskutieren auf der Piazza-Bühne des Zeltfestivals Ruhr folgende Experten: 

  • Thomas Rinke, Lehrer am TBS1 und Mitentwickler der eBike-Garage. 
  • Michael Teupen, Inhaber von JEWO Batterietechnik und Vorsitzender des Bochumer Elektromobil-Vereins ruhrmobil-E.
  • Petra Schweizer-Ries, Lehrstuhlinhaberin an der Hochschule Bochum im Fachbereich Elektrotechnik und Informatik.
  • Peter Reinirkens, Inhaber eines Instituts für Stadtökologie und Fraktionsvorsitzender der SPD im Bochumer Rat.
  • Rolf Mecke, Inhaber eines Beratungsbüros für Nachhaltigkeit und Mobilität und Mitglied im Landesvorstand des VCD NRW.
Foto eBike-Garage

Bis zu 12 Elektrofahrräder können sicher in der eBike-Garage aus Bochum stehen und gleichzeitig mit Solarstrom aufgeladen werden. Foto: Lars Hübner

Auf Gullivers Spuren an Rhein und Ruhr – Zwischen Radschnellweg und Parkplatzmangel

Kolumne von Christian Linow

Mülheim/Essen/Krefeld – 

Die heilige Kuh

Der Ruf eilt ihm voraus. Viele europäische Großstädte würden auf ihn schauen, darunter London, Paris, Frankfurt oder Hamburg – heißt es. Er ist so etwas wie die heilige Kuh der Verkehrsplanung von morgen. Und wenn schon Familienbesuch im nicht allzu weit entfernten Krefeld ansteht, ist der ja ein absolutes Muss, dachte ich mir. Einmal ins deutsche Mekka der Pendler auf zwei Rädern. Die Rede ist vom Radschnellweg Ruhr, RS1 genannt.

Die Reise, so nehme ich mir im beschaulichen Stadtteil Uerdingen kurzerhand vor, soll natürlich standesgemäß mit einem Fahrrad beginnen. Schon alleine, um den Weg zum Bäcker für ein reichhaltiges Frühstück abzukürzen. Die App des allerorts in Nordrhein-Westfalen präsenten Bike-Sharers nextbike holt mich allerdings rasch auf das Trottoir der Tatsachen zurück. Mein next bike steht mindestens 12 km entfernt. Und eines anzurufen lohnt nicht, weil Call a bike erst gar nicht am Start ist. Am Ende breche ich mit dem Zug gen Mülheim auf. Immerhin auch ein Teil des Umweltverbundes, sodass meine Ökobilanz zumindest stimmt.

Pünktlich erreiche ich die Stadt am Fluss, wie sich Mülheim selbst bewirbt. Zur Auswahl habe ich gerade ein einziges des von nextbike  unterhaltenen Metropolradruhr – was für ein sperriges Wort! Das Anmieten an sich ist simpel. Nach erfolgreicher Registrierung aufs Fahrrad klicken, schon erhält man den Zifferncode für das Zahlenschloss. Dennoch macht sich Ernüchterung breit, als ich das gefühlt drei Nummern zu kleine Rad besteige. Mit einer Körpergröße von 190 cm und einem ebenfalls dreistelligen Gewicht passe ich nicht wirklich auf das Rad und dasselbe nicht zu mir. Meine Idee, es an der nahegelegenen Station am Kaiserplatz gegen ein größeres eintauschen zu wollen, scheitert mangels brauchbarer Alternativen, weil auch die anderen identische Maße haben.

Dafür stehe ich jetzt ortsunkundig zwischen mehrspurigen Straßen, einem für Radfahrer zu Recht gesperrten Tunnel und einer Fußgängerzone. Irgendwo hier soll sie sein: Die A40 für Radfahrer. Bloß liefert die auf der Projektseite des Regionalverbands Ruhr dargestellte Karte lediglich verpixelte Ergebnisse. Immerhin ist die Anschlussstelle „Eppinghofer Straße“ benannt. Da bin ich, doch ich weiß nicht weiter. Während blaue Autobahnhinweise gefühlt an jeder Ecke hängen, sucht man nach Schildern zum Radschnellweg vergebens. Selbst die ansonsten bei Velorouten üblichen Tafeln en miniature – Radfahrer müssen wohl bessere Augen als Autofahrer haben – sind nirgends auszumachen.

Ein jugendlicher Radfahrer liefert mir den ersten heißen Hinweis, vertut sich aber bedauerlicherweise dann doch bei der exakten Lokalisierung. Hinter der zweiten Bahnbrücke solle ich links abbiegen und die Strecke sei geil, sagt er. Ähm, nein. Er wollte mich geradewegs auf den Tourainer Ring geleiten. Nach einigem Hin und Her finde ich die passende Auffahrt. Direkt an einer, wie könnte es auch anders sein, opulent wirkenden und für Radfahrer mit Pollern abgeschotteten Straße. Dagegen schaut die Rampe zu Deutschlands erster „Radautobahn“ eher mickrig aus.

Irgendwie mild. Und ganz schön dunkel

Ich hatte ihn mir mächtiger vorgestellt. Martialischer, monumentaler eben. Erst recht nach den Worten von Martin Tönnes, dem zuständigen Bereichsleiter beim Regionalverband, gegenüber dem WDR, der ihn ehrfürchtig den Vater des Radschnellwegs getauft hat:

Die Pflasterung haben wir bewusst für die Einfahrten gewählt. Denn hier soll ein bisschen langsamer und achtsamer gefahren werden, damit alle Verkehrsteilnehmer wissen: Da kommt was von rechts, da kommt was von links.

Die ersten drei Kilometer an der Eisenbahn vom Hauptbahnhof entlang steigt die Strecke sachte an. Auf meinem mir viel zu kleinen Rad merke ich das allerdings sofort. Fast jede der Auffahrten überspannt, vom besagten Pflaster einmal abgesehen, ein Gitter, das von Weitem wie eine Überdachung aussieht, und auf das man nicht klettern soll. Dazwischen trennt ein schmaler Streifen aus Schotter die etwa vier Räder und Radler breite asphaltierte Schnellpiste vom sandigen Wanderweg. Akkurat mahnt das Zeichen 241-30 zur Einhaltung der Regel. Und noch etwas fällt auf: Der RS1 ist, wie eine norddeutsche Brauerei zu sagen pflegte, irgendwie mild, aber vollem ganz schön dunkel. Denn außer im Tunnel hinter der Hundeauffangstation gibt es keine Lampen am Wegesrand; die an den Fahrrädern nicht mitgezählt.

Ein jähes Ende ohne Parkplatz

Bei der Ausleuchtung, so jedenfalls scheint es, müssen sich die Planer des RS1 wohl genauso vom „Vorbild“ inspirieren lassen haben wie bei seiner Zielgeraden. Wie aus dem Nichts überrascht einen ab Höhe Böhmerstraße das jähe Ende des Asphalts und der getrennten Pfade. Von nun an radelt man kombiniert auf der eingeebneten ehemaligen Rheinischen Bahn. Den RS1 will hier so gar nichts mehr von anderen stillgelegten Eisenbahnen unterscheiden, deren Gleisbett man gegen wandertauglichen Kies eintauschte. In dieses Bild passt ingleichen die Abfahrt zum Berthold-Beitz-Boulevard, die einen auf eine merhrspurige, vielbefahrene Straße katapultiert. Eine Brücke gibt es bedauerlicherweise nicht. Vielmehr lädt die nur abschnittweise durchgeschaltete Ampelanlage sogar zum längeren Verweilen auf einer der Inseln ein, ehe die Auffahrt auf der gegenüberliegenden Straßenseite das letzte – wieder asphaltierte – Stück kontinuiert.

Hinter der Uni ist es soweit: Ich habe mein Ziel erreicht. Und, was viel wichtiger ist, eine komfortabel anmutende Station von metropolradruhr mit meiner Körpergröße entsprechenden Drahteseln. Für die Rückfahrt gibt es ergo einen Tausch. Die Meldung auf meinem Smartphone, mir würden zusätzliche Kosten in Rechnung gestellt werden, weil ich mein Velo aus Mülheim an einer abweichenden Station zurückgäbe, ignoriere ich geflissentlich. (Mal sehen, ob mir nextbike tatsächlich etwas aus meiner Sicht Fehlerhaftes berechnen wird.) Nach einem Schluck Wasser geht es zurück, dieses Mal jedoch bis nach Krefeld. Etwas schmunzeln muss ich schon, als ich an der ersten Gabelung ein paar Pedaltritte weiter die Richtungspfeile sehe. „Borbeck – 5,1“ und „Altendorf – 2,8“steht da, nichts weiter. Warum nicht „Mülheim“, denke ich bei mir. Das würde man wenigstens kennen.

Nach knapp 100 Minuten Fahrzeit erreiche ich Krefeld-Uerdingen. Mit meinem nextbike. Auf diese Weise ist die Samt- und Seidenstadt wenigstens drei Tage lang eine „Metropole Rad Ruhr“, jedoch ohne Parkplatz. In dem Haus, in dem ich mich besuchsweise aufhalte, gibt es weder Ständer noch Bügel. Schließlich erbarmt sich ein Nachbar meiner und erlaubt, dass ich das Rad an seinem Zaun befestige. Und ich glaube, es ist wohl an der Zeit für eine Stellplatzverordnung – für Fahrräder. cl