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„Das ist auch der volle Alibi-Radweg, weil der ist halt hier direkt in der Dooring-Zone. Und wenn da die Tür aufgeht beim Auto, hab ich sie direkt in der Fresse.“ Das waren die Worte von Alban Manz in der absolut empfehlens- und sehenswerten filmischen Kontroverse „Der Fahrradkrieg – Wem gehört die Stadt?“ des SWR.

Und dieser Fahrradkrieg tobt allerorten, aber keineswegs bloß auf der Straße, sondern gleichermaßen in den Amtsstuben der verkehrspolitisch verantwortlichen Kommunen und Städte.

Längst erfreut sich vor allem in den Ballungsräumen dieser Republik der Drahtesel einer rasant wachsenden Beliebtheit und gewinnt einen immer höheren Anteil am so genannten Modal Split – also bei der Verkehrsmittelwahl. Und jede Metropole, die etwas auf sich hält, skandiert die Fahrradhauptstadt zu ihrem individuellen Leitbild zukunftsgewandter Mobilität. Zu Recht, gar keine Frage. Doch die ergriffenen Maßnahmen sind hierzulande oft nicht mehr als blinder Aktionismus, der am Ende ein Stückwerk unterschiedlicher Konzepte aus miteinander vermischten Epochen hinterlässt. Wie ein Flickenteppich ziehen sich besagte Alibi-Radwege über das Straßennetz, enden im Nirgendwo und verhärten dadurch am Ende sogar noch die Fronten zwischen Auto- und Radfahrern.

Alban Manz, u. a. Aktivist der Stuttgarter Critical Mass, bringt es auf den Punkt: „Es ist alles autogerecht und so aufbereitet, dass man da halt mehr oder weniger problemlos autofahren kann, ja, und diese ganzen Wege gibt es halt für Radfahrer nicht. Und man wird dann zwangsläufig zu so was wie einem Kampfradler, weil man muss sich einfach halt irgendwie durchfriemeln.“ Das wiederum ist nicht nur eine Frage der Kosmetik oder ob der Sinnhaftigkeit betriebswirtschaftlich zweifelhaft. Vielmehr resultiert aus den verkehrsplanerischen Provisorien und Stümpereien eine mitunter lebensbedrohliche Gefahr.

Unfallforscher Siegfried Brockmann bilanziert ergo nüchtern: „Mich interessiert es nicht, ob wir mehr Radverkehr bekommen. Ich interessiere mich nur für die Sicherheit!“

Dieses Blog hat sich zur Aufgabe gemacht, derlei Missstände zusammenzutragen, um konstruktiv an einer Umgestaltung des Verkehrsraumes mitzuwirken. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, selbst nicht ausschließlich Radler, sondern bisweilen auch Autofahrer zu sein, der als solcher das motorische Vehikel keineswegs per se dämonisiert. Indes geht es eher um eine Form der Gleichberechtigung, die Wiederherstellung der Ausgewogenheit aller Verkehrsteilnehmer untereinander und um eine Revitalisierung städtischen Lebensraumes.

Sehr viel pittoresker fasst es Cornelia Dinca von der Amsterdamer Fahrradorganisation CycleSpace zusammen: „Die Stadt gehört den Menschen. Das hat weder etwas mit Autos noch mit Fahrrädern zu tun.“

Christian Linow

 

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