Stuttgart

Als Stauhauptstadt Nummer eins lastet auf der schwäbischen Metropole der wohl mit Abstand höchste verkehrspolitische Druck bundesweit. Auf europäischem Niveau ist Stuttgart dicht nach London sogar der Vizemeister in puncto Staustunden. Durchschnittlich 20 Minuten steht jeder autofahrende Pendler täglich inmitten der Blechlawine. Das bleibt nicht ohne Folgen: Die europäisch festgelegten Feinstaubgrenzwerte werden regelmäßig mehrmals im Jahr signifikant überschritten. Doch die von der Politik immer wieder zaghaft unternommenen Versuche gegenzusteuern, verpuffen im Kessel der Abgase wirkungslos. Medienwirksam ausgelöste Alarmszenarien fußen bislang ausschließlich auf einem Appell an die Freiwilligkeit. Hinzu kommt, dass die aus ambitionierten Voll-U-Bahn-Planungen hervorgegangene U-Stadtbahn auf einigen Linien bereits heute kapazitiv überlastet ist und die S-Bahn erst recht in Anbetracht des Bahnprojektes Stuttgart 21 zum sensiblen Nadelöhr geworden ist. Das Fahrrad bietet sich als sinnvolles alternatives Fortbewegungsmittel an, was nicht zuletzt die Stadtregenten erkannt haben. Denn das Potenzial ist riesig; nur 6% nutzen bis dato ein Velo auf ihrem Weg durch die Stadt. Zum Vergleich: Im größenmäßig ähnlichen Düsseldorf oder Frankfurt am Main ist es knapp das Doppelte. Die Ergebnisse der hehren Ziele und Verlautbarungen, Stuttgart zu einer Fahrradstadt umbauen zu wollen, sind indes mehr als ernüchternd. Radfahrstreifen auf der Fahrbahn sind eher die Seltenheit als die Regel, teilweise dilettantisch umgesetzt und enden oft nach ein paar Hundert Metern im Nichts. Separate Radwege entlang des Neckars und durch den Schlossgarten bieten unterdessen eine an sich gute und vor allem ampelfreie Trasse. Die Infrastruktur aber gerät zusehends buchstäblich immer mehr auf die schiefe Bahn. Was könnte in diesem Zusammenhang besser zur autoaffinen Landeshauptstadt passen als ein Werbespruch aus den 1970ern eines weltbekannten Mineralölriesen: „Es gibt viel zu tun – Packen wir’s an!“